Konjunkturschwäche „Made in Germany“?

18.12.2019

Dr. Klaus Bauknecht / Foto: © IKB Deutsche Industriebank AG

Sind die Lohnforderungen das Ergebnis des Fachkräftemangels, so bestätigen die Ergebnisse die bekannte These: Der Fachkräftemangel belastet zunehmend das Wachstumspotenzial – zum einen weil es nicht genug Fachkräfte gibt, zum anderen weil durch höhere Löhne die Profitabilität des Investitionsstandorts Deutschland leidet.

… und eine Anpassung des Arbeitnehmeranteils am Volkseinkommen wird immer dringender, …

Wie kann die Quote des Arbeitsnehmerentgelts sinken bzw. das Wirtschaftswachstum perspektivisch gestützt werden? Kurzfristig ist eine Ausweitung des Fachkräfteangebots – zum Beispiel durch Einwanderung – schwer realisierbar. Es bleiben vor allem Lohnmoderation oder Stellenabbau. Beide Maßnahmen stehen auf den ersten Blick in Konflikt mit dem Fachkräftemangel. Aber 2019 ist das Produktionsniveau vor allem in der Industrie dermaßen gefallen, dass eine Verringerung der Lohnkosten trotz Fachkräftemangels immer unausweichlicher geworden ist. Dies liegt auch daran, dass sich die Industrierezession bereits länger hinzieht und nicht von kurzer Dauer zu sein scheint wie die Finanzkrise 2008/09. Eine steigende Arbeitslosenquote im Jahr 2020 könnte angesichts einer nur moderat steigenden Produktion unausweichlich sein, um die Rentabilität und Attraktivität des Produktionsstandorts Deutschland zu verbessern (s. IKB-Kapitalmarkt-News 17.07.2019). Außerdem können zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland nur helfen, wenn die Ausweitung des Arbeitsangebots tatsächlich zu moderateren Löhnen und damit zu einer Senkung der Arbeitnehmerquote am Volkseinkommen führt.

Ein reduziertes Potenzialwachstum bzw. anhaltender Fachkräftemangel dürften einzelne Firmen weniger berühren, da sie den Produktionsstandort durch Globalisierung von Produktionskapazitäten umgehen können. Dies ist für viele Unternehmen deshalb notwendig, weil Deutschland mit einem Potenzialwachstum von etwas über 1 % nur ein Drittel so schnell wächst wie die Weltwirtschaft und somit auf Sicht Marktanteile verlieren wird. Ein Unternehmen kann demnach seinen Marktanteil nur dadurch behaupten, indem es Produktionsfaktoren anderer Länder nutzt. So hat sich die deutsche Globalisierungsstrategie auch schon lange vom reinen Ex- und Import von Gütern hin zu globalen Produktionsketten und Produktionskapazitäten im Ausland entwickelt. Kapazitätsausweitungen im Ausland müssen nicht unbedingt nachteilig für den Standort Deutschland sein, da sie Spielraum für Spezialisierung erlauben. Bei einer Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland aufgrund von Wettbewerbsverlusten ist dies allerdings weniger der Fall.

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