Auswirkungen der US-Zollpläne auf die Versicherungsbranche
03.04.2025

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Die neuen Zollpläne von US-Präsident Donald Trump könnten erhebliche wirtschaftliche Folgen für Europa und insbesondere Deutschland haben. Experten warnen vor mehreren zentralen Auswirkungen. Höhere Zölle würden europäische Waren in den USA verteuern, was insbesondere Deutschland als wichtigsten europäischen Exporteur in die USA treffen würde. „Das ist ein fundamentaler Angriff auf das offene, regelbasierte und multilaterale Welthandelssystem“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Das ist ein echte Zäsur.“
Die angekündigten Maßnahmen sind laut Asmussen eine zusätzliche Herausforderung in einer aktuell ohnehin angespannten Lage. „Um den möglichen Folgen wie einem erhöhten Inflationsdruck und wirtschaftliche Stagnation etwas entgegenzusetzen, braucht es umso mehr schnelles Handeln in Deutschland und Europa. Das umfasst Maßnahmen wie weniger Bürokratie und eine Stärkung des europäischen Kapitalmarktes, um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft zu stärken“, so Asmussen.
Enorme finanzielle Belastung für die US-Bürger
Die US-Administration betonte, dass die geplanten Zölle Einnahmen in Höhe von sechs Billionen US-Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren generieren könnten. Dies würde sich auf die 134 Millionen Haushalte in den USA mit durchschnittlich 5.000 Dollar pro Jahr niederschlagen. „Dies ist eine enorme finanzielle Belastung für die US-Bürger, da Einfuhrzölle wie eine versteckte Verkaufssteuer wirken und insbesondere einkommensschwächere Haushalte stark treffen“, so Asmussen.
Eine mögliche Reaktion der US-Notenbank auf diesen Inflationsdruck könnte eine straffere Geldpolitik sein, die den US-Dollar aufwertet. "Eine Aufwertung des Dollars könnte europäische Produkte auf dem US-Markt zwar relativ günstiger machen, aber zugleich die Importpreise in Europa erhöhen und somit die Inflation in Europa wieder antreiben", erklärt Asmussen. Zudem könnte die Verunsicherung durch die Zollpolitik Investitionen bremsen und die Finanzstabilität gefährden.
Auch die Versicherungswirtschaft wäre von den Zöllen betroffen
Auch die Versicherungswirtschaft wäre von den Zöllen betroffen. Ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum könnte das Beitragswachstum der Branche dämpfen. Makroökonomische Unsicherheit und Wachstumsschwäche drücken auf das Geschäft der Lebensversicherer. „Laut unseren Berechnungen könnte allein in der Lebensversicherung das Wachstum im Jahr 2025 um bis zu 1,7 Prozentpunkte niedriger ausfallen als ursprünglich prognostiziert“, sagt Asmussen. Bislang ist der GDV hier von einem Beitragswachstum von 1,3 Prozent auf knapp 96 Milliarden Euro ausgegangen.
Auch die Schaden- und Unfallversicherung könnte mit einem möglichen Wachstumsrückgang von bis zu 1,1 Prozentpunkten betroffen sein. Hier hat der GDV für 2025 bislang ein Beitragswachstum von 7,5 Prozent auf 99 Milliarden Euro prognostiziert.
Der Rückgang wäre vor allem auf Zweige wie Transport- und Luftfahrtversicherung und Kredit- und Kautionsversicherung zurückzuführen. Die wirtschaftliche Unsicherheit könnte somit insgesamt zu einem abgeschwächten Wachstum in der Versicherungsbranche führen. (mho)

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