Ein System unter Druck: Warum die klassische bAV ausgedient hat
04.04.2025

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Nicht nur die gesetzliche Rentenversicherung, auch die wichtige zweite Säule für den Ruhestand, die betriebliche Altersvorsorge (bAV), gehört auf den Prüfstand. Das Team von KPM aus Köln um Gründer und Geschäftsführer Alexander Siegmund macht sich stark für einen Neustart der bAV, bei der die Rendite und die Höhe der Renten im Fokus stehen. Was treibt sie an?
Ende der Neunzigerjahre war das Thema „betriebliche Altersvorsorge“ nur etwas für die ganz großen Konzerne und deren Beschäftigte. Richtig Fahrt nahm das Thema dann ab 2002 auf. Seit diesem Jahr haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge. Dies betrifft Auszubildende, Teilzeitkräfte, Minijobber, befristet und unbefristet Beschäftigte sowie Geschäftsführer. 2002 war auch das Startjahr für die „Riester-Rente“. Eine Vorsorgeform, die mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet ist, aber schnell vom Tiger zum Bettvorleger wurde. Von ehemals 20 Millionen Riester-Verträgen ist laut einer Untersuchung des Verbraucherportals „finanztip.de“ in den vergangenen Jahren fast jeder vierte wieder gekündigt worden – obwohl das mit Verlusten verbunden ist.
Hoher Verwaltungsaufwand, erdrosselnde Garantien, geringe Renditen: Die bAV braucht ein „Reset“
Das Hauptproblem der Riester-Rente und vieler anderer kursierender Vorsorgeprodukte: Sie sind mit Bürokratie und übermäßigen Garantielasten belastet. Darunter leiden die Anlagemöglichkeiten, die Rendite und damit die späteren Auszahlungen an die Beitragszahlerinnen und -zahler. Doch nicht nur der Staat macht die bAV mit seinen Vorgaben im aktuellen Rahmen häufig unattraktiv. Es sind auch die Versicherer selbst, die den Kundinnen und Kunden viel Geld kosten.

Alexander Siegmund ist überzeugt: „Versicherer kalkulieren zu hoch, Renditen verpuffen.“ Wie ein neues Rentenmodell mit realistischen Annahmen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie Mitarbeitende mehr herausholen kann, macht der Kölner Unternehmer mit seinem Beratungshaus KPM Pensions & Benefits GmbH vor. Gegründet wurde es bereits „drei Jahre vor Riester“, im Jahr 1999. Die KPM Pensions & Benefits GmbH ist nach eigenen Worten Full-Service-Anbieter für alle Themen rund um die betriebliche Altersversorgung. Das Team um Alexander Siegmund unterstützt Unternehmen mit attraktiven Versorgungslösungen und einer ganzheitlichen Beratung. Darüber hinaus fungiert die KPM Kölner Pensionsmanagement GmbH als unabhängiger Rechtsberater zu allen Fragen der bAV. Siegmund: „Mit der Zulassung zum Rentenberater für die bAV im Jahr 2006 konnten wir unser Angebot um eine umfassende Beratung zu allen Fragen der bAV erweitern. Heute bieten wir eine innovative Produktlösung, die sich direkt am Leben orientiert, eine unabhängige Rechtsberatung und das volle Leistungsspektrum eines Spezialmaklers.“
Wie smart ist die Pensionslösung von KPM in der Praxis?
Doch was genau unterscheidet die Vorsorgelösung der Rheinländer mit dem vielversprechenden Namen „smart|pension by KPM“ von dem anderer bAV-Angebote? Vorsorgeexperte Siegmund erklärt die Nachteile herkömmlicher Modelle: „Klassische Lebensversicherer nutzen in der betrieblichen Altersversorgung oft sogenannte Garantiemodelle. Dabei sichern sie dem Arbeitgeber die Langlebigkeit des Mitarbeitenden ab – mit extrem vorsichtigen Annahmen: hohe Sicherheitszuschläge bei der Lebenserwartung (teils bis 125 oder 130 Jahre) und konservativen Rechnungszinsen. Hinzu kommt: Stirbt der Mitarbeitende frühzeitig, behalten Versicherer das nicht verbrauchte Kapital – es geht dem Arbeitgeber verloren.“
Zudem wird die Renditeentwicklung der Verträge nach seinen Worten kaum an die Begünstigten weitergegeben. Die Kapitalerträge ab Rentenbeginn decken oft schon die Rentenzahlungen – das angesparte Kapital wird kaum angetastet. Das führt zu unnötig geringen Rentenbeträgen für die Beschäftigten. Siegmund rechnet diese Nachteile an einem konkreten Fall vor: Ein 40-jähriger Mitarbeitender spart bis zum Ruhestand 259.200 Euro an. Die garantierte Monatsrente liegt laut Versicherer bei nur 656,92 Euro – trotz einer laufenden Verzinsung von 3,15 Prozent. Rechnerisch wird sogar mehr Zins erwirtschaftet, als ausgezahlt wird. Mit smart|pension by KPM sieht die Rechnung nach Siegmunds Worten dagegen so aus: „Wir kalkulieren mit einer realistischen Lebenserwartung von 94 Jahren. Das Kapital muss nur bis dahin reichen. Verstirbt der Mitarbeitende früher, bleibt das Restkapital im System des Arbeitgebers und kann weiter genutzt werden.“ Bei smart|pension by KPM würde derselbe Mitarbeitende eine monatliche Rente von 1.043,80 Euro erhalten – bei gleichem Kapital.
Die Kölner wollen mit ihrem Modell die bAV reformieren, stoßen dabei aber auf Widerstand. Kein Wunder, das Geschäft mit der Langlebigkeit ist äußerst profitabel – gerade durch die Sicherheitszuschläge und die Kapitalbindung. Siegmund: „Es fehlt schlicht der Anreiz, ein lukratives Geschäftsmodell freiwillig aufzugeben.“
Steiniger Weg des Umdenkens
Siegmund gibt sich kämpferisch – und optimistisch: „Tatsächlich stehen wir noch am Anfang. Es ist nach wie vor schwierig, den Markt – insbesondere die Beraterinnen und Berater – von einem Umdenken weg von klassischen Versicherungsprodukten zu überzeugen. Dabei zeigt unser Versorgungskonzept bereits beeindruckende Entwicklung: Jahr für Jahr verzeichnen wir dreistellige prozentuale Wachstumsraten. Zahlreiche Belegschaften wurden bereits erfolgreich integriert.“
Auch in der betrieblichen Altersversorgung braucht es ein Umdenken. Der Ausweg liegt nicht allein in fondsgebundenen Produkten, bei denen die Beschäftigten das Kapitalanlagerisiko tragen. Es braucht realistische, faire Versorgungslösungen – losgelöst von klassischen, starr kalkulierten Versicherungsmodellen. Ein großer Vorteil der „Kölner Lösung“: Das Konzept verzichtet auf die bisher übliche Voraussetzung, dass Mitarbeitende erst aus dem Unternehmen ausscheiden müssen, um Leistungen zu erhalten. Das bedeutet: Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht hat, kann flexibel in Teilzeit weiterarbeiten und gleichzeitig eine Teilrente aus der gesetzlichen und der betrieblichen Altersversorgung beziehen. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels und der Bereitschaft vieler erfahrener Fachkräfte, auch nach Erreichen des Renteneintrittsalters (reduziert) weiterzuarbeiten, ist das ein großes Plus.

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