LV-Solvenzquoten: 837 Prozentpunkte Differenz

19.06.2020

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Geschäftsmodell kommt Krankenversicherern entgegen

Im Rahmen des map-Reports wurden auch die privaten Krankenversicherer unter die Lupe genommen. Diese zeigen sich für die Solvency II vergleichsweise gut gerüstet. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass sie, anders als die Lebensversicherer, ihre Beiträge bei Bedarf erhöhen können und somit nicht sie selbst, sondern ihre Versicherten einen Großteil des Risikos zu tragen haben. Das schlägt sich in hohen Solvenzquoten nieder, die allerdings eine deutliche Spannweite aufweise. So hat die Landeskrankenhilfe mit 1.497,8 % die höchste Quote, die Ergo mit 193,7 % die niedrigste. Die Durschnittsquote im Gesamtmarkt liegt mit 551,2 % um 12,5 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Kaum eine Prognose möglich

Die Corona-Krise sorgt unter den Versicherern für massive Verunsicherung. Immerhin zeigte sich BaFin-Präsident Felix Hufeld auf der kürzlich abgehaltenen Jahrespressekonferenz zumindest zuversichtlich. So würden die Corona-Maßnahmen für die Lebensversicherer eine zusätzliche Belastung bei der Kapitalanlage bedeuten, jedoch sei die Situation aus heutiger Sicht nicht existenzbedrohend. Eine Abfrage bei ausgewählten Unternehmen habe gezeigt, dass die Solvenzquoten zwar sinken, es komme aber bei keinem dieser Unternehmen zu einer Unterdeckung. Vor allem die Flexibilität des Regelwerks Solvency II mit den Übergangsvorschriften wäre für die Branche sehr hilfreich.

Viele Versicherer blicken hingegen eher skeptisch in die Zukunft. So werden Gewinnziele reihenweise zurückgenommen und von erheblichen Beeinträchtigungen ausgegangen. Diese Auffassung ist nach dem bisherigen Informationsstand seitens der Gesellschaften eher die Regel als die Ausnahme. „Wenig verwunderlich wäre auch, wenn die ganze Corona-Geschichte die anhaltende Marktkonsolidierung noch beschleunigt und vor allem kleinere Anbieter aufgeben“, meint Klages.

Für die Jahre nach 2021 stehen zudem womöglich inhaltliche Änderungen in regulatorischer Hinsicht ins Haus. Gemäß dem Solvency-II-Review und der Verschiebung des Last Liquid Points (LLP) könnten die anvisierten Anpassungen bei den Zinsmodellierungen vor allem für traditionelle Lebensversicherer mit langfristigen Garantieverpflichtungen enorme Auswirkungen haben. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Die SFCR-Berichte für 2020 werden im kommenden Jahr weitere Einblicke erlauben.

Ab sofort lieferbar

Der map-report 915 – „Solvency im Vergleich“ ist ab sofort im PDF-Format lieferbar. Er bietet auf 93 Seiten übersichtlich aufbereitete Vergleiche der Solvenzquoten von Lebensversicherern und Krankenversicherern in Deutschland. Abonnenten des map-reports wurden bereits bevorzugt beliefert. Interessenten können sich an service@fb-research.de wenden oder den map-report direkt online bestellen. Eine kostenlose Basisinformation stellt Franke und Bornberg unter diesem Link bereit. (ahu)