Wie glaubwürdig sind Immobiliengesellschaften?

19.08.2020

Michael Werner, Sustainability Advisor mit 20-jähriger Erfahrung & artner bei der RSFC Re’public Sustainable Finance Consulting / Foto: © Re’public Sustainable Finance Consulting

Der Green Deal der EU, die Vorgaben der Taxonomie-Verordnung der EU, Green Bonds der Bundesregierung, institutionelle Investoren, die sich interessieren – viele Impulse verstärken den Aufwärtstrend des nachhaltigen Finanzmarkts.

Die kürzlich vorgestellten 2020er Marktberichte des FNG Forum Nachhaltige Geldanlagen sowie der Bundesinitiative Impact Investing zeigen, dass sich Investoren zunehmend auf nachhaltige Produkte fokussieren. Grüne Gebäude beispielsweise, die nach einem der einschlägigen Standards wie LEAD, BREEAM oder DGNB zertifiziert sind. Warum sie das tun? Ankermieter mit eigener Nachhaltigkeitsstrategie suchen vorrangig „grüne“ Mietobjekte, ein späterer erfolgreicher Verkauf kann vom grünen Label abhängig sein. Investoren fragen aber auch, wie es um das nachhaltige Handeln der Initiatoren, der Fondgesellschaften oder auch der KVG bestellt ist. Denn heute setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass das nachhaltige Produkt auch auf nachhaltige Art und Weise produziert sein sollte. Die Frage lautet also: wie weit ist die Branche heute? Wie schaut es bei den Fonds und Anleihen aus? Stimmt die institutionelle Glaubwürdigkeit, die für Investoren eine zunehmend gewichtigere Rolle spielt? Wir fragten Michael Werner, Sustainability Advisor mit 20-jähriger Erfahrung, Ex-PwC Partner und Ex-Scholz & Friends Reputation und heute Partner bei der RSFC Re’public Sustainable Finance Consulting.

finanzwelt: Herr Werner, Nachhaltigkeit hält Einzug in die Finanzbranche. Wie nachhaltig ist die deutsche Immobilienbranche Stand heute? Michael Werner» Wie so häufig gibt es auf die einfache Frage eine komplexe Antwort. Große Bestandshalter und Entwickler, häufig börsennotiert und teilweise im DAX oder MDAX vertreten, müssen aufgrund gesetzlicher Regelungen jedes Jahr über die Entwicklung ihrer Nachhaltigkeit berichten. Hier haben wir einen guten Überblick und ich sehe einen guten Stand, der sich vor allem immer weiter verbessert. Diese Gruppe von Unternehmen verfügt in der Regel auch über eine eigene Nachhaltigkeitsabteilung, haben die Experten also im Haus. Auch die Gesellschaften, die der öffentlichen Hand zuzurechnen sind, sind im Thema Nachhaltigkeit unterwegs. In vielen Bundesländern und Kommunen gibt es dafür Regelwerke und große politische Aufmerksamkeit. Das Augenmerk wird sich zukünftig auf die Gruppe der kleineren, zum Teil inhabergeführten Gesellschaften, richten. Und hier liegen nicht viele Informationen vor, es gibt keine Pflicht, sich öffentlich zu äußern. Die Überarbeitung der europäischen CSR Berichtspflicht und Forderungen von Investoren werden aber in den nächsten Jahren zu Änderungen in diesem Segment führen.

weiter auf Seite 2