Staaten zwischen Sparkurs und offenen Geldschleusen

02.04.2025

Beat Thoma. Foto: © Fisch Asset Management.

Während in Europa und China inflationär Geld ausgegeben wird, setzen die USA auf eine potenziell deflationäre Politik. Aber auch dort muss vorerst mit einem Anstieg der Staatsverschuldung gerechnet werden. Denn die neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump und Finanzminister Scott Bessent riskiert für geringere Staatsausgaben und ihren Protektionismus bewusst eine schwächere Konjunktur.

Sollte infolgedessen eine Rezession einsetzen, könnten die Verschuldung und die Rendite für US-Staatsanleihen steigen. Das kann kurzfristig zu hoher Volatilität bei ‚Risky Assets‘ sowie temporären Liquiditätsengpässen und damit Stress an den Geldmärkten führen.

Demgegenüber plant Europa eine massive Erhöhung der Staatsverschuldung zur Finanzierung von Rüstungs- und Infrastrukturprojekten. Laut Schätzungen könnte es um 2.000 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren gehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits ihre Unterstützung zugesagt, um Staatsanleihen bei mangelnder Nachfrage aufzukaufen. Ohne Mithilfe der EZB wäre ein deutlicher Anstieg der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen unter anderem in Deutschland, Italien und Frankreich vorprogrammiert.

Auch China verstärkt derweil staatliche Stimulierungsprogramme. Die Geldpolitik der chinesischen Zentralbank wird ebenfalls gelockert.

Insgesamt wirken damit global stark gegensätzliche Kräfte: in den USA tendenziell deflationär und renditedämpfend, in Europa und China tendenziell inflationär und renditetreibend. Daraus ergibt sich momentan eine Balance zwischen positiven und negativen Faktoren für die globalen Aktien- und Staatsanleihenmärkte mit neutralen kurzfristigen Kurserwartungen, wobei dieses Gleichgewicht fragil ist.

Neutral ist daher auch unsere Positionierung in den USA und Europa. Gleiches gilt für Aktien und Unternehmensanleihen. Hier ist die hohe Liquidität zwar positiv für Risikoanlagen, aber der Refinanzierungsbedarf wächst und bis zur Jahresmitte 2026 könnte es zu Liquiditätsengpässen kommen.

Übergewichtet haben wir unter anderem Wandelanleihen im Bereich Healthcare und Software mit Fokus auf Cybersecurity. Bei den defensiven Schwellenländerinvestments stehen Südamerika und Osteuropa im Fokus.

Marktkommentar von Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management.