Verdrängt Blockchain Akteure vom Markt?

22.11.2018

Paul Claudius, Mitgründer und Managing Director von BlockState / Foto: © BlockState

Die Blockchain-Technologie verändert den Finanzmarkt, so viel ist sicher. Doch was bedeuten diese Umwälzungen für etablierte Akteure? Laufen sie Gefahr, vom Markt verdrängt zu werden?

Die derzeitige Marktsituation gestaltet sich in vielen Fällen unübersichtlich, intransparent und auf der Kostenseite aufgebläht. Ein komplexes Netzwerk aus Akteuren, überholter Infrastruktur und veralteten Technologien dominiert den Finanzmarkt. Während die Blockchain- oder Distributed-Ledger-Technologie (DLT) mittlerweile in diversen Einsatzfeldern Erfolge vorweisen kann, werden vielerorts in der Finanzbranche noch Faxgeräte zur Kommunikation eingesetzt. Dass einige Marktteilnehmer die Entwicklung verschlafen haben, ist mittlerweile klar. Doch werden sie permanent vom Markt verdrängt?

Es wird eng für Intermediäre

Komplexe Systeme kosten Geld – und die globalen Investmentbankgebühren erreichten 2017 laut Reuters mit 104 Milliarden US-Dollar einen Rekordstand. Diese Gebühren zahlt der Markt. Den Löwenanteil der globalen Investmentbankgebühren machten dabei mit 31 Milliarden US-Dollar Gebühren für Anleihen aus. Daher liegt es nahe, sich auf das Beispiel der Anleiheemission zu konzentrieren, um das Marktpotenzial der DLT darzustellen.

Bisher geht der Emittent den Weg über den Underwriter und andere Mitglieder der Verkaufsseite, um die Anleihe zu platzieren. Diese wenden sich an die Clearing-Agentur, die den Prozess rechtlich überprüft und überwacht. Gibt die Clearing-Agentur die Emission frei, geht die Anleihe an den Custodian. Von diesem erst kauft der Investor die Anleihe. Es werden also vom Emittenten bis zum Investor vier Schritte durchlaufen – vier Schritte, die zeitaufwändig sind, Geld kosten und nicht zuletzt auch Informationen unwiederbringlich verschlucken können.

Verschlankte Prozesse eliminieren Kosten

So kann zum Beispiel die Abstimmung über Clearing-Häuser mehr als 30 Tage dauern. Bildet man das Clearing jedoch auf einer Blockchain ab, wird der Prozess drastisch verkürzt. Durch Smart-Contract-Technologie zum Beispiel kann das Clearing nahezu sofort geschehen. Auch die Berechnungsstellen, die der Bestimmung von Preisen dienen, können durch die DLT abgebildet werden: So können verifizierte Preisdaten schon heute von einem Open-Source-Datenportal wie www.diadata.org gezogen werden, bevor sie automatisch in die Smart Contracts gespeist werden. Letztere führen darauf basierend ihre Vertragsregeln aus und garantieren die Transaktionen preislich.

Durch solche Vorgänge wird der gesamte Emmissionsprozess drastisch verschlankt, ohne dabei auf die Vertrauenswürdigkeit zu verzichten. Denn die DLT ist transparent und nachvollziehbar: Über sie abgewickelte Transaktionen können nicht verfälscht werden.

Warum die Blockchain kein Allheilmittel ist und welche Chance veralterte IT birgt, lesen Sie auf Seite 2