Sich auf die Bereiche konzentrieren, in denen man die Stärken einsetzen kann

17.07.2019

Foto: © Digital Insurance Agenda

Jetzt, wo wir gehört haben, wie Sie mit Insurtechs kooperieren, halte ich es auch für wichtig, darüber nachzudenken, wie sich eine solche Partnerschaft managen lässt. Können Sie uns dazu etwas sagen?

Andries: „Es gibt unterschiedliche Blickwinkel für das, was eine gute Partnerschaft ausmacht. Wir haben über Kompetenzen, strategisches und kulturelles Alignment gesprochen. Aber ich glaube, da gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt, nämlich die Steuerung der Erwartungen und eine sehr klare Kommunikation zu Beginn der Partnerschaft in Bezug auf das Tempo, das Sie vorlegen können; ob das Geld da ist, oder nicht. Ich hatte meine eigenen Tech-Startups und hatte ein erhebliches Problem mit dem Wort `vielleicht´. Ehrlich gesagt, werden Sie von den meisten großen Unternehmen weder ein `Ja´ noch ein `Nein´ hören, üblicherweise ist es ein `Vielleicht´. Das Problem ist: Wenn Ihr Kapital begrenzt ist, können Sie nicht mit diesen ewigen`Vielleichts´ umgehen, weil Sie einfach nicht das Geld haben, auszuharren und zu warten.“

Das ist eine interessante Botschaft, die vielen Lesern bekannt vorkommen wird. Wie sollten sich Versicherer Ihrer Meinung nach auf einer Plattform oder in einem Ökosystem verhalten? Wir haben viele Fälle gesehen, in denen es Versicherungsunternehmen nicht gelungen ist, Ökosysteme zu orchestrieren.

Andries: „ Erstens glaube ich, dass das sehr von dem jeweiligen Unternehmen abhängt, seinem IP, seinen Stärken und Strategien. Darüber hinaus glaube ich, dass das Wichtigste, woran man denken muss, die Tatsache ist, dass das Ganze am Anfang eher schwerfällig sein wird. Was ich zu fördern versuche, ist eine Art Neugier und die Einstellung, `lasst uns lernen und unseren Weg finden.´ Es gibt offensichtliche Dinge, die Versicherer beitragen können. Wir können Kapital beisteuern und wir haben einen Corporate-Venture-Capital-Zweig. Wir können umfassendes Fachwissen einbringen, Erfahrung in der Schadensregulierung, im Underwriting, operative Erfahrung, ein Verständnis der Wertschöpfungskette und was man daraus macht. Außerdem bringen wir einen riesigen Pool an potenziellen Kunden ein, eine Bilanz, eine Versicherungslizenz und das regulatorische Verständnis. All diese Dinge sind äußerst komplex und stellen hohe Markteintrittsbarrieren dar. Ich kann allerdings nicht erkennen, dass ein einziger Teilnehmer dieser Ökosysteme kontrollieren oder dominieren könnte.

Auf eine Weise, die der Idee des Ökosystems zuwiderlaufen würde, richtig?

Andries: „Genau. Ich würde betonen, dass ich nicht glaube, dass bereits klar ist, welchen Part jeder Teilnehmer eines Ökosystems spielen soll. Das ist ein Lernprozess und wahrscheinlich der Grund, warum er im Verlauf der vergangenen Jahre eher als schwerfällig wahrgenommen wurde. Jeder probiert unterschiedliche Dinge aus. Als Unternehmen haben wir so gut wie alles ausprobiert, was man sich vorstellen kann. Wir hatten Laboratorien und Innovations-Pilotprojekte, eigene Acceleratoren und haben in externe Acceleratoren investiert, und wir haben, wie ich schon sagte, einen eigenen Venture-Capital-Zweig und hatten unsere eigenen Innovationen. Wir haben unterschiedliche Dinge ausprobiert, um zu lernen und zu verstehen, auf welchen Gebieten sich unsere Stärken am besten einsetzen lassen, und zwar zum Nutzen unserer Kunden und unserer Partner.“

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Von links nach rechts: Joost Heideman (Univé), Andries Smit (Aviva), Josep Celaya (MAPFRE) und Roger Peverelli / Foto: © Digital Insurance Agenda[/caption]

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