Nur der doppelte Gesamtbestand kann den Mangel beheben

05.11.2019

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Überall fehlen Wohnungen

Mit 4.533 fehlenden Betreuten Wohnungen weist Duisburg das größte Defizit in dieser Hinsicht auf. Doch selbst im relativ gut versorgen Hamm fehlen 256 Wohnungen. Im gesamten Landesgebiet liegt der Zusatzbedarf mit einem errechneten Mangel von 124.745 Apartments mehr als doppelt so hoch wie der derzeitige Bestand von 62.119 Apartments.

Hohes Anmietungspotenzial

Laut dem Sayschen Theorem schafft sich das Angebot seine Nachfrage selbst. Eine Umkehrung, nämlich dass die (potenzielle) Nachfrage ihr Angebot schafft, wäre auf dem Pflegeapartmentmarkt in NRW alles andere als verkehrt. So können sich 75 % aller Seniorenhaushalte dort ein monatliches Gesamtentgelt (Miete und Servicepauschale) von 750 Euro für Betreutes Wohnen leisten. 66 % der Haushalte sind sogar in der Lage, dafür pro Monat 1.000 Euro zu bezahlen. Für die Untersuchung des Mietpotenzials wurde eine Mietbelastung von % des Nettohaushaltseinkommens angenommen. Ein Monatsentgelt von 750 Euro entspricht den durchschnittlichen Kosten einer Betreuten Wohnung im mittleren Wohnsegment.

Das höchste Anmietungspotenzial besteht in der Städteregion Aachen, wo 91 % der Seniorenhaushalte über die nötigen finanziellen Mittel verfügen. Auch in den Landkreisen Olpe (86 %) und Gütersloh (82 %) ist das Anmietungspotenzial noch sehr hoch. Am niedrigsten ist das Anmietungspotenzial in Dortmund, Gelsenkirchen (66 %) und Duisburg (65 %).

„Die Versorgung von Senioren mit adäquaten Wohn- und Pflegeangeboten gehört zu den wichtigen Aufgaben der kommunalen Daseinsfürsorge. Im Interesse der Kommunen ist nicht zuletzt, dass sich auf diese Weise erhebliche Kosten einsparen lassen“, erklärt Dr. Michael Held.

Gemäß einer konservativen Schätzung von Prognos in der Studie „Potenzialanalyse altersgerechte Wohnungsanpassung“ von März 2014 könnten bei einer flächendeckenden Versorgung mit altersgerechten Wohnungen derzeit von den Kommunen 600 Millionen Euro jährlich eingespart werden. Dieser Betrag wird sich bis 2030 auf eine Milliarde Euro erhöhen.

„Unsere Studie zeigt auch, dass sich 25 bis 30 % der Seniorenhaushalte in Nordrhein-Westfalen Betreutes Wohnen nicht leisten können. Daher sollte der Fokus der Kommunen neben einer allgemeinen Förderung des Service-Wohnens für Senioren durch eine entsprechende Konzeptvergabe von kommunalen Grundstücken insbesondere auch auf der Förderung von Seniorenhaushalten mit niedrigem Einkommen liegen, etwa durch eine Ergänzung des Wohngelds durch einen Betreuungsanteil“, so Held abschließend. (ahu)