Kursanstiege werden 2018 weitergehen

18.12.2017

Till Budelmann / Foto: © Berenberg

Aktuelle Aktienbewertungen sind noch kein Grund zur Beunruhigung

Auch die bereits zum Teil hohen Bewertungen der US-Aktien beunruhigen Budelmann kaum. Das Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV) des S&P 500 bezogen auf die erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate liegt beim 19-Fachen und damit über dem langfristigen Durchschnitt vom 15-Fachen. „Die Komposition des Index hat sich über die Jahre deutlich verändert. Die großen Fünf – Apple, Alphabet, Microsoft, Facebook und Amazon – sind alle wachstumsstark und haben hohe Gewinnmargen. Das rechtfertigt höhere KGVs, die aber auch das Gesamtbild verzerren", erläutert Budelmann. Zudem lösen Bewertungen seiner Ansicht nach keine großen Abverkäufe aus: „Niemand verkauft, nur weil ein bestimmtes KGV des Gesamtmarktes erreicht ist." An eine viel stärkere KGV-Ausweitung glaubt er allerdings auch nicht, zumindest nicht, wenn die Zinsen steigen und Anlagealternativen wieder etwas an Attraktivität gewinnen.

2017 lag der maximale Verlust stets unter drei Prozent

Aus technischer Sicht bleiben Aktien ebenfalls interessant. Auffällig ist vor allem die hohe Stabilität des Aktienmarktes. „Über die vergangenen fast 400 Tage gab es nicht einmal einen maximalen Verlust von drei Prozent. Das heißt, innerhalb dieses Zeitraums hat der S&P 500 nie drei Prozent am Stück verloren. Das hat es in der Geschichte des US-Aktienmarktes noch nicht gegeben", sagt Budelmann und erklärt die hohe Stabilität u. a. durch die gesunkene Korrelation zwischen den einzelnen Sektoren und Aktien. „Es wird nicht mehr alles gekauft und dann wieder alles verkauft, sondern die Anleger bleiben investiert. Das Kapital rotiert allerdings zwischen den Sektoren und Stilrichtungen, mal ist das eine gefragt, mal das andere." Diesen Trend erwartet er auch für 2018 und sieht Stockpicker im Vorteil gegenüber Indexinvestoren.

Neben der Entwicklung der Unternehmensgewinne hält Budelmann für 2018 auch die Anlegerstimmung für einen entscheidenden Faktor. Anleger sind nicht mehr defensiv positioniert, sondern eher neutral bis leicht optimistisch. Noch sind sie aber weit entfernt von übertriebenem Optimismus. Da sich dies schnell ändern kann, ist genau zu be-obachten, ob die Stimmung in Euphorie umschlägt. Das wäre ein klares Warnzeichen.

Langfrist-Prognose: Bis 2040 erreicht der S&P 500 die 10.000er Marke

Zurzeit erkennt Budelmann noch keine Anzeichen, die auf ein Ende des Bullenmarktes hindeuten und geht daher zuversichtlich, aber auch aufmerksam ins nächste Jahr. Auch für die weitere Zukunft sieht er langfristig orientierte Anle-ger am US-Aktienmarkt gut aufgehoben. Bis 2040 sollte der S&P 500 die 10.000er-Marke erreichen, so seine Prognose; wenn natürlich auch zwischendurch immer wieder einmal mit kräftigen Korrekturen gerechnet werden müsse. Die Vorhersage entspricht in etwa einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von sechs Prozent – hinzu käme eine Dividendenrendite von ca. zwei Prozent im Jahr. Untermauert wird die positive Schätzung durch eine vorteilhafte demografische Entwicklung in den USA und die beeindruckende Innovationskraft des Landes. Zudem glaubt er an strukturell eher niedrigere Zinsen. All diese Entwicklungen sollten die Aktienkurse langfristig befeuern.

Marktkommentar von Till Budelmann, Fondsmanager des Berenberg Systematic Approach – US STOCKPICKER Fund und Mitglied des Investment Komitees von Berenberg