Diese Kryptowährungen bieten Zentralbanken

29.08.2018

Dr. Mehrdad Jalali-Sohi, Management Consultant adesso AG / Foto: © adesso

In letzter Zeit zeigen die Zentralbanken großes Interesse an Kryptowährungen, die für den allgemeinen Gebrauch geeignet sind. Die Initiativen der Zentralbanken sind bis jetzt experimenteller Natur, so dass es noch keine Kryptowährung für die breite Masse gibt (siehe Abbildung 2). Eine Ausnahme bildet Venezuela. Das Land hat aufgrund eines massiven Wertverfalls seiner Währung und unter Wirtschaftszwang im März 2018 eine Kryptowährung namens Petro in den Umlauf gebracht, um die Staatskassen zu füllen. Die meisten Initiativen der Banken setzen auf ähnliche Technologien, die unten kurz beschreiben werden.

Abbildung 2: Zentralbanken befinden sich in der Findungsphase (Quelle, Cambridge Center for Alternative Finance)

Technologien für Zentralbank-Kryptowährungen

Eine Plattform für Zentralbanken muss „permissioned” sein, wobei die Teilnehmer sich anders als bei einer öffentlichen, „permissionless“ Plattform gegenseitig kennen und nicht anonym sind. Bei einer „permissioned” Plattform kann zwischen den Teilnehmern ein Vertrauensverhältnis etabliert werden, das eine rechtliche Vereinbarung oder einen Rahmen für die Lösung von Streitigkeiten erlaubt. Des Weiteren muss eine Lösung gefunden werden, die keine hohe Rechenleistung benötigt und für viele Finanzdienstleiter bezüglich der Kosten kein Problem darstellt.

In den letzten Jahren sind einige technische Plattformen für Blockchain entstanden, die Lösungen für die genannten Probleme bieten. Beispiele für Protokolle, die derzeit von Zentralbanken getestet werden, sind Corda Ethereum und Hyperledger Fabric. Corda ersetzt Blockchain durch eine Notar-Architektur. Notar gilt bei Corda als vertrauenswürdige Autorität und ermöglicht den Konsens auf individueller Transaktionsbasis anstatt in Blöcken.

Ethereum ist ein Protokoll, das das Design von Bitcoins in eine höhere Stufe abstrahiert und verallgemeinert. Damit kann Ethereum Blockchain-Design-Anwendungen über das Geld hinaus unterstützen. Die Struktur der Ethereum-Blocchain ist der Bitcoin sehr ähnlich, da es sich um die Aufzeichnung der gesamten Transaktionsverlaufskette handelt. Jeder Knoten im Netzwerk speichert eine Kopie dieses Verlaufs. Der große Unterschied zu Bitcoin besteht darin, dass Ethereum-Knoten neben allen Transaktionen den letzten Status jedes erweiterbaren Vertrags speichert. Ein Vertrag kann beliebige Strukturen, zum Beispiel einen Kauf- oder Mietvertrag, enthalten.

Hyperledger Fabric, das von der Linux Foundation gehostet wird, sollte als Grundlage für die Entwicklung von Anwendungen oder Lösungen mit einer modularen Architektur dienen, die auf diesem Protokoll basieren. Hyperledger Fabric ermöglicht die Plug-and-Play-Komponenten wie Konsens- und Mitgliedschaftsdienste. Hyperledger Fabric nutzt eine Container-basierte Technologie, um die Validierungslogik zu hosten, die als „Chaincode" bezeichnet werden und die Anwendungslogik des Systems umfassen. Hyperledger Fabric wurde ursprünglich von Digital Asset und IBM initial entwickelt. Die gehostete Logik wird für die Prüfung von individuelle Verträge eingesetzt.

Im Folgenden werden die wichtigsten Initiativen der Zentralbanken weltweit aufgezählt die auf die beschriebenen Blockchain-Technologien aufbauen.

Deutschland

Gemeinsam mit der Deutschen Börse plant die Bundesbank den funktionalen Prototyp eines Blockchain-basierten Systems für den Handel und die Abwicklung von Wertpapieren zu entwickeln. Zu den Merkmalen des vorgestellten Prototyps gehören die Fähigkeiten Blockchain-basierte Zahlungen und Wertpapiertransfers und die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen. Das ist geplant das System auf Basis von Hyperledger zu implementieren.

Kanada

Die Zentralbank von Kanada hat sich mit den fünf größten Banken des Landes in einem Bankenkonsortium für das "Projekt Jasper" zusammengetan, um eine Blockchain-fähige Währung zu schaffen. In einem Simulationslauf hat die Zentralbank sogenannte CAD-Coins auf einer Ethereum-Plattform veröffentlicht. Die Banken nutzten die CAD-Coins, auf die gleiche Weise wie Banknoten, um am Ende eines jeden Tages ihre Hauptkonten mit dem Wert der eingelösten CAD-Coins zu begleichen.

weiter auf Seite 3