Strukturelle Probleme bei Anleihen-ETFs werden oft übersehen

Sahil Khan, Quantitative Analyst Fixed Income und Jorgen Kjaersgaard, Head of European Corporate Credit / Foto: © AB (AllianceBernstein)

Das Interesse an passiven Anleihe-Strategien nimmt zu. Doch Vorsicht: Viele Investoren übertragen ihre Erfahrung mit Aktien-ETFs blindlinks auf entsprechende Anleihen-Produkte.
Dabei können sich diese erheblich unterscheiden, insbesondere im hochverzinslichen Bereich. Wir sind davon überzeugt, dass europäische High-Yield-ETFs und die Indizes, die sie nachzubilden versuchen, strukturell problembehaftet sind. Das erklärt auch ihre nachhaltigen Mindererträge gegenüber dem breiten Markt.

Bei Betrachtung der Wertentwicklung der durchschnittlichen ETF-Benchmark (dargestellt durch den iBoxx EUR Liquid High Yield Index) offenbart sich gegenüber der durchschnittlichen Manager-Benchmark-Performance der breiteren Euro-High-Yield-Indizes ein Minderertrag. Dieser beläuft sich auf 1,95 % auf Basis von einem Jahr, auf 4,95 % auf Dreijahresbasis und auf 12,33 % über fünf Jahre (per Ende Mai 2017). Dies legt folgende Schlüsse nahe: Erstens ist das „Beta“ des ETF erheblich niedriger als jenes des breiten High-Yield-Universums. Und zweitens führt auch der Versuch des ETF, dieses Subsegment im hochverzinslichen Bereich abzubilden, zu einem dauerhaften Minderertrag. Um das zu verstehen, muss man sich verdeutlichen, worin die Unterschiede zwischen Anleihen und Aktien bestehen, und was dies für Anleihen-ETFs bedeutet.

Nicht alle Benchmarks sind gleich
Anleihen und Aktien ähneln sich insofern, als dass die Indizes sich bei der Gewichtung der Einzeltitel an der Kapitalisierung (Aktien) beziehungsweise dem Ausmaß der ausstehenden Schuld (Anleihen) orientieren. Unabhängige Indexanbieter, wie etwa Bloomberg Barclays oder Bank of America Merrill Lynch (BAML), wenden bei der Aufnahme von Titeln in den Index transparente Regeln an. Da es jedoch keinen allgemein anerkannten Standard-Index gibt, können selbst kleinere Anpassungen von Anbietern große Performance-Auswirkungen nach sich ziehen. Anleger sollten daher nicht außer Acht lassen, wie das Fehlen kleiner Emittenten einerseits und die starke Wirkung von Kurzläufern mit Niedrigstrenditen andererseits die Wertentwicklung des Index beeinflussen.