So lässt es sich leben

27.06.2023

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Der Deutsche und sein Urlaub: Eine Liebesgeschichte ohnegleichen. Voneinander getrennt durch Lockdowns, FFP2 und andere pandemiebedingte Maßnahmen, finden die Protagonisten nun langsam wieder zueinander. Doch entfremdet haben sie sich nicht: Ferienimmobilien bleiben eine interessante Investition, die sich auch in Zeiten von Homeoffice und Work-Life-Balance sehen lassen kann.

Wer hätte gedacht, dass sich der (Inlands-)Tourismus so schnell erholen würde: Ganze 450 Millionen Übernachtungen in Ferienimmobilien gab es im Jahr 2022 (Destatis/Engel & Völkers Residential). Die Spuren, die die Reiseeinschränkungen hinterlassen haben – im Jahr 2021 verzeichnete Destatis 310 Millionen Übernachtungen – wollen die Urlauber getilgt wissen und reichen mit purer Willenskraft fast an den Rekord von 2019 (495 Millionen Übernachtungen) heran. Es ist der Traum einer wohlverdienten Auszeit mit Sand zwischen den Zehen, dem Rauschen des Meeres in den Ohren und der Wärme der Sonne im Gesicht. Ein emotionaler Aspekt der Selbstverwirklichung, gepaart mit flexibler Urlaubsplanung, ist eine Kombination, die auch bei den Preisen Luft nach oben erlaubt.

Hohe Preise? Kein Problem! 

Der diesjährige Marktbericht zeigt durchschnittliche Angebotspreise im 4. Quartal 2022 auf: Eigentumswohnungen (ETW) auf Sylt mit 12.984 Euro/m² sind keine Überraschung. Im Vergleich zu 2021 ist das also schon ein Plus von 7 %. Selbstverständlich ist der Preis abhängig von der Lage. Bei einem Strand in Laufnähe klingelt also ordentlich die Kasse. Auf Juist und Norderney sind Preise von über 3 Mio. Euro in Toplagen also zu erwarten. Wie man auf solche Preise kommt? Der emotionale Liebhaberpreis liegt 2023 für Juist bei 15.000 Euro/m² und für Norderney bei etwa doppelt so viel, nämlich 31.000 Euro/m².

Tegernsee und Starnberger See können darüber wahrscheinlich nur lachen: Für einen Quadratmeter ETW in sehr guter Lage müssen es am Tegernsee z. B. schon mal bis zu 22.000 Euro/m² sein. Der Starnberger See ist mit 16.000Euro/m² nur etwas günstiger. Aber diese Zahlen sollten eines nicht überschatten: Immobilien sind und bleiben weiterhin eine stabile Geldanlage. Bei Ferienimmobilien, wie sie zum Beispiel auf den genannten Inseln zu haben sind, spielt der Faktor Lage eine besondere Rolle: Es gibt nämlich nicht gerade überall Toplagen, und daher werden die begrenzten Bauflächen die Preise für den Bestand weiterhin stabil halten.

Laut Dr. Klein ist ein weiterer Vorteil einer Immobilie als Geldanlage das hübsche kleine Wort „Steuervorteil“. Geltendmachung des Erhaltungsaufwandes sowie Abschreibungen in Höhe von jährlich 2 % auf beispielsweise die Sanierungskosten sind solche Vorteile. Sollten Sie als Besitzer die Kapitalanlageimmobilie nach zehn Jahren doch verkaufen wollen, dann gibt’s den Wertzuwachs steuerfrei. Außerdem werden Immobilien immer gebraucht – es ist wie mit dem Fahrradfahren: Fängt man einmal mit der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus an und hat den Dreh nach dem ersten Umzug raus, vergisst man das nicht so schnell wieder. Deshalb ist man als Vermieter mit einer Immobilie in guter Lage schon einmal gut beraten. Und gibt es eine bessere Lage als mitten im Urlaubsparadies?

Kann es überhaupt Nachteile geben?

Um realistisch zu bleiben: Ja, auch Nachteile gibt es bei Immobilien als Investition. Da es sich um eine solche handelt, muss es für den Fall der Fälle auch Rücklagen geben. Beispielsweise für Reparaturen oder die generelle Instandhaltung der Immobilie. Immerhin soll sie sich stets von ihrer besten Seite zeigen können, nicht wahr? Also auch immer wiederkehrende Kosten nicht vergessen, wie etwa für die notwendigen Versicherungen. Allein mit dem Kauf einer Immobilie ist es daher nicht getan. Da wäre das Honorar für den Notar, der Eintrag ins Grundbuch sowie die Maklerprovision und die Grunderwerbersteuer. Dr. Klein zufolge können die sogenannten Kaufnebenkosten bis zu 15 % des Kaufpreises der Immobilie ausmachen. Laut der Website von „Homeday – Mein Immobilienmakler“ werden die Kaufnebenkosten für Immobilien je nach Bundesland berechnet. Für Schleswig-Holstein, und somit Sylt, lägen die Kaufnebenkosten zum Beispiel bei 12,07 %. Überraschenderweise liegen die Kaufnebenkosten in Bayern mit 9,07 % am niedrigsten im Vergleich der Bundesländer.

Ferienimmobilien und Inflation

Tatsächlich sind Ferienimmobilien im Inland eine weitgehend stabile Kapitalanlage, wenn man die Entscheidung für den Kauf mit Bedacht trifft. Laut E&V Marktbericht ist im Verlauf des Jahres 2023 durchaus damit zu rechnen, dass die Inflation abschwächt und genauso der Zinsanstieg. Das bedeutet – wie üblich – keine 180-Grad-Wendung, sondern Preiskorrekturen, solange die Zinsen sich im Höhenflug befinden. In diesem Sinne ist aber auch ein Happy End zu erwarten, denn: Wo die Nachfrage zurückgegangen ist, wird sie auch wieder ansteigen. Der Moment, wenn die Zahlen langsam wieder ertragbar werden, muss geduldig abgewartet werden. Er kommt nicht immer per Newsticker aufs Handy, sondern man muss den Markt im Auge behalten. Ferienimmobilien sind – ob zur Vermietung oder für den Eigenbedarf – eine Investition für’s Leben. (ml)