Perlen der zweiten Reihe

18.12.2019

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Klein gegen Groß. Ein altbekanntes Rennen in jeglichen Gesellschaftsbereichen. Das gilt auch für den Kapitalmarkt. Natürlich sind die großen Titel jedem Anleger ein Begriff, doch es lässt sich auch in kleinere Werte, Segmente und Indizes investieren. Ist gar das Engagement in die vermeintlich Unscheinbaren gleichfalls besser? Oder ist andererseits der deutsche Aktienindex DAX das Maß aller Dinge? Zumindest als Beimischung sind Nebenwerte im Portfolio Ihrer Kunden durchaus eine sinnvolle Alternative. Und das nicht nur auf kurze Sicht.

Der gegenwärtige Konjunkturzyklus neigt sich möglicherweise dem Ende zu. Die Wirtschaftsaussichten trüben sich zumindest etwas ein. Gleichwohl zeigen sich die Aktienmärkte in guter Verfassung. Die Kurse klettern. Insbesondere die unveränderte Situation an der Zinslandschaft verleiht manchen Titeln und Indizes wahrlich Flügel. Mit 13.200 Punkten beim DAX feierten die Börsianer in Frankfurt zwischenzeitlich den höchsten Stand seit Mai 2018. Auch die amerikanischen Aktienindizes eilen voraus. Schließen sich die kleineren Werte diesem positiven Trend uneingeschränkt an? „In den vergangenen zwölf Monaten haben sich die europäischen Aktienmärkte, trotz diverser Konfliktherde, per se gut entwickelt. Kleinere europäische Werte konnten dabei allerdings das Tempo nicht mithalten und mussten insbesondere im vierten Quartal des vergangenen Jahres deutliche Abschläge verkraften“, sagt Isabelle de Gavoty, Head des Framlington Equities Small Cap Teams bei AXA Investment Managers.

Tatsächlich standen im Jahresendquartal 2018 mittlere und kleinere Titel vermehrt auf der Verkaufsliste. Der MDAX verlor in jenem Quartal rund 5 % mehr als der DAX, der SDAX nochmal deutlicher. Grund hierfür waren die abflauende konjunkturelle Lage und die geopolitische Situation rund um den Globus. Knapp ein Jahr später hat die Erholung zweifellos eingesetzt. Und die Kleinen haben möglicherweise noch mehr Potenzial nach oben. Stechen sie möglicherweise die großen Werte in naher Zukunft aus? Neu wäre das nicht. Harald Berres, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA, gibt zu bedenken: „Fairerweise muss gesagt werden, dass sich Nebenwerte in den vergangenen 20 Jahren meist besser entwickelt haben als Standardwerte. Dies gilt insbesondere für die letzten Jahre. Insofern kommt eine Verschnaufpause nicht völlig überraschend. Nichtsdestotrotz sind z. B. in Deutschland die Bewertungen der Nebenwerte immer noch deutlich höher als die der Standardwerte im DAX, was für eine weitere Konsolidierung sprechen würde. Generell gilt jedoch, dass in der Spätphase eines Konjunkturzyklus Standardwerte tendenziell bevorzugt werden.“

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