Nichts ist allein seligmachend
21.04.2020

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Was tun bei Börsenabschwüngen?
Indexfonds wird zugeschrieben, dass sie sehr günstig sind, liquide und transparent. Die angeführte Liquidität ist jedoch kein Freifahrtschein, zumal sie in sogenannten Stressphasen schwinden könnte. „In der jüngsten Zeit haben Stressphasen an den Börsen gezeigt, dass es zu Problemen kommen kann, wenn bei passiven Investments alle wieder zum gleichen Zeitpunkt ‚durch die gleiche Tür wollen‘. Dies wurde insbesondere durch Spread-Ausweitungen sichtbar“, insistiert DJE-Experte Schrieber. Tatsächlich kann es für den Index-Investor zum Problem werden, wenn der Markt gravierend fällt, die Volatilität klettert und die Einzeltitel sich sehr unterschiedlich entwickeln. In diesem Umfeld könnte wiederum ein aktiver Asset Manager seine Vorteile durchaus ausspielen. „Generell können aktive Manager ihre Vorteile in weniger effizienten, da weniger beachteten Märkten besser ausspielen. Gleichzeitig lässt dies aber nicht den generellen Umkehrschluss zu, dass man in hocheffizienten Märkten, wie beispielsweise dem nordamerikanischen Aktienmarkt, ausschließlich auf passive Produkte setzten sollte“, so Portfoliomanager Werner. Ein Beispiel ist der Hochzinsanleihenmarkt (High Yields). Generell gilt wohl die Annahme, dass die Liquidität eher knapp in Märkten mit weniger Käufern und Verkäufern ist, oder in solchen, in denen die Marktteilnehmer seltener handeln. Das trifft auf die Rentenmärkte im Allgemeinen zu. Insofern gilt wohl die Richtschnur, nach der tendenziell größere Märkte mit entsprechenden passiven Indexfonds abgebildet werden können, wohingegen aktive Fonds ihre Stärken insbesondere bei exotischeren Märkten und Strategien ausspielen. „Ein wenig anders sieht es bei der Garnierung mit Satelliten-Produkten aus, zu denen regionale oder technologische Spezialitäten gehören, bei denen sich die Märkte stark wandeln oder gerade erst entstehen. Diese Wandlungen passiv abzubilden, fällt zumeist schwer. Hier sollten Spezialisten aktiv am Ball bleiben und Allokationsentscheidungen treffen, um darauf einzugehen“, kommentiert Karsten Müller, Gründer der ChainBerry Asset Management GmbH. Einen anderen Aspekt sollten ETF-affine Anleger zudem bedenken. Die Abbildung eines zugehörigen Index mit einem ETF. So ist der DAX beispielsweise ein Performanceindex, der die gezahlten Dividenden inkludiert. Da hierbei aber Steuern fällig werden, liegt ein DAX-ETF systematisch niedriger als der entsprechende Index.
Wer schlägt die Benchmark?
Nun wäre der Wettkampf um den vermeintlich „besten“ Anlagestil denkbar einfach, wenn es klare Trennlinien gäbe. Beim näheren Hinschauen fällt aber auf, dass nicht jeder Fondsmanager wirklich aktiv im Sinne des sich Lösens von der Benchmark ist. Studien belegen, dass wohl eine deutliche Mehrheit aller aktiven Investoren sich nahe an ihrem passiven Vergleichsindex bewegen. Insofern eher eine Buy-and-hold-Strategie, die den Markt abbildet. Idealerweise verwalten die Manager aktiv das Portfolio und vollziehen die nach ihrer Meinung besten Käufe. Sie nehmen gezielt Umschichtungen vor und passen die Gewichtung an. Am Ende kommt es auf den Anleger an, sich den passenden Fonds herauszusuchen. Beispiel: Deutschland-Fonds aus den Häusern DWS, Fidelity oder auch MainFirst haben einen hohen Active Share, der als Gradmesser für die Aktivität des Fondsmanagers gilt. (ah)

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