Kreditversicherer fürchten Insolvenzwelle

10.12.2020

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Mit dem Jahreswechsel endet auch die Aussetzung der Insolvenzanmeldepflicht. Die Kreditversicherer fürchten, dass die Zahl der Insolvenzen damit deutlich zunehmend dürfte. Das hätte aber nicht nur schlechte Seiten.

Aufgrund der Corona-Krise hat die Bundesregierung die Insolvenzanmeldepflicht ausgesetzt und diese Regelung zuletzt bis zum Jahresende verlängert. Thomas Langen sieht diese Regelung sehr kritisch: „Die deutsche Wirtschaft schiebt seit Monaten eine Welle von Insolvenzen vor sich her. Erst wenn ab Januar sowohl überschuldete als auch zahlungsunfähige Unternehmen wieder einen Insolvenzantrag stellen müssen, werden wir erkennen, wie groß dieser Anstieg ist und welche wirtschaftlichen Verwerfungen die Corona-Pandemie tatsächlich angerichtet hat“, so der Vorsitzende der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Kreditversicherer beim Jahresmediengespräch der Kreditversicherer. Dass die Regelung nun im Januar ausläuft, wird deshalb von den Kreditversichern begrüßt. So sind laut Langen in einer Marktwirtschaft Insolvenzen natürlich und notwendig. „Mittlerweile richtet die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht mehr Schaden an als sie nutzt, denn die Unsicherheit im Markt wächst täglich. Jeder Lieferant muss sich fragen, ob sein Geschäftspartner tatsächlich noch solvent und stabil ist – oder doch längst insolvent, aber noch keinen Antrag stellen musste.“ Zudem warnte Langen davor, dass das neue Sanierungs- und Insolvenzrecht, das noch in diesem Jahr vom Bundestag verabschiedet und in Kraft treten soll, nicht zum Auffangnetz für bereits insolvenzreife Unternehmen werden solle.

Aussetzung hatte Folgen

Weil die Insolvenzanmeldepflicht einen Großteil dieses Jahres außer Kraft hatte, rechnen nach einer Hochrechnung des GDV die Warenkreditversicherer damit, dass trotz der massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Zahlungsausfälle mit 436 Mio. Euro nur 1,5 % mehr betragen als im vergangenen Jahr.

Damit durch die zu erwartenden Insolvenzen keine im Kern gesunden Unternehmen mit sich reißen, haben im April Kreditversicherer und Bundesregierung einen Schutzschirm für die Lieferketten der deutschen Wirtschaft gespannt und diesen bis Mitte 2021 aufrechterhalten. Zudem beteiligen sie sich mit 10 % an den Schadenszahlungen im Rahmen des Schutzschirms uns führen ca. 60 % ihrer Prämieneinnahmen an den Bund ab. Im Gegenzug für eine Garantie des Bundes in Höhe von 30 Milliarden Euro halten die Kreditversicherer trotz der pandemiebedingt gestiegenen Risiken ihre Deckungszusagen in Höhe von über 400 Milliarden Euro aufrecht. „Die Kreditversicherer leisten mit dem Schutzschirm für die Lieferketten einen erheblichen Beitrag zur Bewältigung der Krise, indem sie das Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität stärken“, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. (ahu)