Katastrophe als Programm

17.04.2020

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Die staatliche Pflegeversicherung kommt seit ihrer Einführung vor Jahrzehnten nicht aus den Schlagzeilen. Und immer geht es um Geld und Finanzierung – als sei der demografische Wandel nicht vorhersehbar gewesen. Den stationären Einrichtungen fehlt es vorne und hinten an Geld, Pflegekräfte werden Mangelware und die Bundesbürger verlassen sich offenbar eher auf den lieben Gott, als rechtzeitig privat vorzusorgen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat kürzlich vor einem Pflegenotstand in stationären Einrichtungen gewarnt. Zur Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung seien Steuerzuschüsse denkbar. Die Pflegeversicherung komme „ja auch für einiges auf, das man durchaus als gesamtgesellschaftliche Aufgabe definieren kann“. Olaf Scholz, sein Kollege im Finanzministerium, stellt sich jedoch bislang taub. Vom PKV-Verband kommen andere Vorschläge. Um die Pflege finanziell dauerhaft zu sichern, setzt dieser sich für eine generationengerechte Finanzreform ein. Ein neuer Generationenvertrag soll die Belastung der Älteren durch steigende Eigenanteile gezielt abfedern und zugleich die Jüngeren beim Aufbau einer privaten Eigenvorsorge unterstützen. So könnte der Beitragssatz zur Pflegeversicherung langfristig auf dem heutigen Niveau nahe 3 % stabilisiert werden. „Unser Vorschlag baut eine Brücke zwischen den Generationen“, so PKV-Verbandsdirektor Dr. Florian Reuther. „Wer die Pflege sozial gerecht reformieren will, darf nicht nur an die heute Pflegebedürftigen denken.“

Vorrangig bleibt in jedem Fall die private Vorsorge. Und zumindest laut Ralf Garwels, Produktmanager Krankenversicherung im HanseMerkur Konzern, halten sich die Bundesbürger auch verstärkt an dieses Rezept: „In der Tat beobachten wir einen Anstieg der Abschlüsse von Pflegezusatzversicherungen.“ Die HanseMerkur biete hier einen interessanten Einstiegstarif für gerade mal 5 Euro im Monat. Dafür bekomme der Kunde im Pflegefall bis zu 1.000 Euro Leistung. Damit könne der Berater auch jüngeren Menschen den Einstieg in die Pflegezusatzversicherung ermöglichen. Die Hauptzielgruppe sei nämlich immer noch älter als 50 Jahre. Ähnliches sagt Ulrich Lamy, Mitglied der Vorstände der Barmenia Versicherungen. Doch das reiche nicht: „Wir beobachten, dass die Nachfrage zwar stetig wächst, der Verbreitungsgrad aber immer noch gering ist. Im Jahr 2018 waren laut Rechenschaftsbericht 2018/2019 des PKV-Verbandes gerade einmal 4,5 % der rund 82 Mio. Pflegepflichtversicherten zusatzversichert.“ Man verzeichne 2019 bei der Anzahl der versicherten Personen ein Plus von 2,7 %. Das sei sehr wohl ausbaufähig. Noch drastischer sagt es Kabil Azizi, Vertriebskoordinator Gesundheit bei der Gothaer Krankenversicherung: „Trotz der immens wichtigen Bedeutung einer Pflegezusatzversicherung und den wiederkehrenden Meldungen zu diesem Thema, auch aus unserem Gesundheitsministerium, beobachten wir aktuell keine verstärkten Aktivitäten in diesem Bereich.“ Die Erfahrungen der privaten Krankenversicherer gehen also weit auseinander.

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