Immobilien als 360-Grad-Aufgabe

21.02.2022

Rauno Gierig, CEO und Frank M. Huber, CSO der Verifort Capital Gruppe / Foto: © Verifort Capital

finanzwelt: Wie sieht die Zielgruppenstrategie aus? Gierig» Wir werden weiterhin regulierte Publikums-AIFs anbieten, um gezielt Privatanleger zu adressieren. Dabei wird es sich immer um Portfolio-Fonds handeln, um das Einzelrisiko systematisch auszuschließen und die Erträge auf eine breite Basis zu stellen. Natürlich gehören dabei auch 34f-Vermittler, Vertriebsorganisationen und Banken dazu. Beim Thema Gewerbe mit einem anspruchsvollen Value-Add-Ansatz werden dann aber sicherlich auch semi-professionelle Investoren Teil der Zielgruppe sein, die mehr Rendite erreichen und aus ihrem Portfolio Ansatz heraus auch mehr Risiko eingehen wollen. Wir setzen einerseits auf die persönliche Ansprache und Betreuung hier in Deutschland und in der Schweiz mit eigener Vermögensverwaltung und werden andererseits auch den Online-Vertrieb sukzessive ausbauen.

finanzwelt: Es entfallen fast ein Drittel des europäischen CO2-Ausstoßes auf den Immobiliensektor, vornehmlich Bauen, Stromverbrauch und Heizung. Sie merken schon, wir kommen auf mein Lieblingsthema ESG. Wie setzt sich der Verbrauch zusammen und was können wir dagegen tun? Huber» Was das angeht, bewegen wir uns als Verifort Capital in einem speziellen Bereich der Immobilienbranche, den Bestandsimmobilien. Nicht jede energetisch durchführbare Maßnahme ist hinsichtlich des CO2-Ausstoßes mit Blick auf die Restlebensdauer des jeweiligen Objekts tatsächlich sinnvoll. Durch unseren Ansatz, Immobilien eine zweite Chance zu geben und sie im Rahmen dessen energetisch sinnvoll zu sanieren, vermeiden wir zusätzlichen CO2-Austausch zum einen durch den nicht-durchgeführten Abriss, zum anderen durch den nicht-durchgeführten Neubau. Diese beiden Aspekte fallen bei einer gesamtheitlichen ESG-Betrachtung bisher ja häufig noch unter den Tisch. Wir sind aktuell aber dabei, diese beiden Themen genauer zu untersuchen, um hier zu sinnvollen Lösungen zu kommen.

finanzwelt: Wo können Immobilienmanager was konkret tun und wie Anleger das unterstützen? Huber» Beim Thema Nachhaltigkeit ist es nicht damit getan, dass die Politik eine Taxonomie und neue Richtlinien verabschiedet. Erforderlich ist hier ein dauerhaftes Umdenken, das muss in den Köpfen der Menschen passieren und darf kein ‚Feigenblatt‘-Aktionismus sein. Jeder Einzelne muss sich der langfristigen Bedeutung von Nachhaltigkeit bewusst sein. Für uns als Immobilienmanager heißt das, dass wir ESG-Kriterien nicht deshalb implementieren, weil es der Markt verlangt oder weil wir sonst nichts mehr verkaufen könnten. Sondern weil es auch bei uns angekommen ist, dass ein Umdenken essenziell ist. Auch wenn das mehr Anstrengungen und mehr Arbeit für uns bedeutet. Ein Umdenken bei Anlegern heißt, nicht den letzten Basispunkt an Rendite aus den Investitionen herauskitzeln zu wollen. Wenn Anlegern Nachhaltigkeit bei Investitionen wichtig ist, müssen sie auch bereit sein, zur Erreichung von Klima- und ESG-Zielen auf die letzten 10 oder 20 Basispunkte an Rendite zu verzichten.

finanzwelt: Vielen reicht es nicht, nur ein Zeichen zu setzen. Sie wollen konkret was tun. Wo können Vermittler und Anleger sich informieren und wo können sie gezielt was ändern? Gierig» Anbieter müssen hier Aufklärungsarbeit leisten und klar machen, was ESG eigentlich bedeutet. Wir machen das zum Beispiel über Workshops, Vorträge oder Webinare für Vermittler und Anleger. Außerdem zeigen wir auf unserer Website mit unserer ESG-Strategie konkret, was Nachhaltigkeit für uns bedeutet und welche Schritte wir als Anbieter bereits umsetzen und planen. Anleger können im Grunde aber auch sehr einfach einen eigenen Beitrag leisten, indem sie ihr Kapital gezielt in ESG-konforme Produkte stecken, zum Beispiel in Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds. Über Investitionen in solche Produkte, die einen Impact bieten, können Anleger direkt ESG-Ziele unterstützen und einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Unser nächster Healthcare-AIF, der Verifort Capital HC2, wird ein solcher ESG-Fonds werden, der kommende Gewerbefonds ebenfalls.

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