Wer gibt den Ton an?

25.03.2014

Die Absatzbilanz der europäischen Fondsbranche konnte sich im vergangenen Jahr sehen lassen. Laut Morningstar erreichte das in Publikumsfonds verwaltete Vermögen mit 4,91 Billiarden Euro einen neuen Höchststand.

Gefragt waren Fonds mit Schwerpunkt europäische Aktien, defensive Mischfonds und US-Aktienfonds. Insbesondere der schon seit einiger Zeit zu beobachtende Trend zu Mischfonds dürfte sich 2014 fortschreiben lassen.

Morningstar hat eine Auswertung für das vergangene Jahr präsentiert und diese zeigt, dass die Platzhirsche ihre Positionen verteidigen konnten. Die US-Anbieter BlackRock, JPMorgan und Franklin Templeton hatten bei in Europa domizilierten Fonds die Nase vorne. Nordea und Standard Life folgten auf den nächsten Plätzen. Erfolgsrezept: Die Gesellschaften bauten auf Strategien, die am Markt nachgefragt wurden. Dazu zählten in erster Linie Fonds, die auf ein Revival der europäischen Wirtschaft setzten, daneben den Wiederaufstieg der weltgrößten Volkswirtschaft, den USA, propagierten oder neue Produkte auf den Markt brachten, die das Risiko auf verschiedene Assetklassen (Mischfonds) verteilten. Den Absatzschätzungen von Morningstar zufolge beliefen sich im vergangenen Jahr die Mittelzuflüsse bei in europaweit domizilierten Mischfonds auf knapp 95 Mrd. Euro. Es folgten Aktienfonds mit 80 Mrd. Euro und Rentenfonds mit einem Zufluss von circa 62 Mrd. Euro.

Die Trends. „Ein starker Absatztrend war in 2013 primär bei den Assetklassen Aktienfonds und Mischfonds (insbesondere auch vermögensverwaltend) zu erkennen. Produkte mit staatlicher Förderung (vL, Riester o. ä.) wurden zum Jahresende verstärkt distribuiert", sagt Oliver Lang, Vorstand der BCA AG und BfV Bank für Vermögen AG. Für Peer Reichelt, Geschäftsführer der NFS Netfonds Financial Service GmbH, gliedert sich das vergangene Jahr in einzelne Abschnitte. „Das Jahr 2013 begann mit einer anhaltenden hohen Nachfrage nach vermögensverwaltenden Fonds und Cashersatz. Vor allem die Klassiker wie der Carmignac  Patrimoine, Ethna Aktiv und Flossbach von Storchs Multiple Opportunities gehören zu den Bestsellern. In der zweiten Jahreshälfte wurden auch zunehmend wieder Aktienfonds und kleinere Boutiquefonds beigemischt. Gegen Ende 2013 waren dann erstmalig auch größere Abflüsse aus den Klassikern der vermögensverwaltenden Fonds zu beobachten, angeführt vom Carmignac Patrimoine."

Wandelanleihefonds konnten ebenfalls Zuflüsse verbuchen. Rohstoffprodukte standen hingegen auf der Verkaufsliste. Die Nachfrage nach Fonds für Schwellenländer-Investments ist mit Beginn der sogenannten Tapering-Debatte teilweise eingebrochen.

Welche Einzelfonds der Gesellschaften wurden im vergangenen Jahr nachfragt? Morningstar weist den Templeton Global Total Return als Fonds mit den höchsten Nettomittelzuflüssen in 2013 aus. Er sammelte knapp 6,5 Mrd. Euro ein. Das Anlageziel des Fonds ist die Maximierung der Gesamtrendite aus einer Kombination von Zinserträgen, Kapitalzuwachs und Währungsgewinnen durch überwiegende Investition in ein Portfolio aus fest und/oder variabel verzinslichen Schuldtiteln und Anleihen, die von Staaten oder Unternehmen aus aller Welt begeben werden. Investment Grade Staatsanleihen in Landeswährung machen derzeit rund 58 % des Portfolios aus. Das Fondsmanagement um Michael Hasenstab hat dabei ein glückliches Händchen bewiesen, beispielsweise in der deutlichen Übergewichtung von südkoreanischen Anleihen. Der Fonds zeigte dabei eine bessere Wertentwicklung als der Durchschnitt der global anlegenden Rentenfonds. Zu den am stärksten nachgefragten Fonds zählten auch der defensive Mischfonds M&G Optimal Income Fund sowie der Standard Life Investment Global Absolute Return Strategies. Der Fonds aus dem Hause M&G Investments investiert ebenfalls in eine breite Palette von Rentenwerten. Der Fondsmanager kann aber auch einen Teil des Portfolios in Unternehmensaktien halten. Investment Grade Anleihen machen aktuell rund 50 % im Portfolio aus. Breit und über nahezu alle Anlageklassen aufgestellt ist auch der Anfang 2011 aufgelegte Fonds der britischen Gesellschaft Standard Life. Das Fondsvolumen beträgt mittlerweile circa 6,5 Mrd. Euro.

Hält die positive Grundstimmung des vergangenen Jahres zum Jahresbeginn 2014 an? Die deutsche Fondsbranche ist zumindest gut ins Jahr 2014 gestartet und verbuchte laut Fondsverband BVI Zuflüsse von 7,7 Mrd. Euro. Mischfonds blieben auch im Januar mit Zuflüssen von 2,2 Mrd. Euro weiterhin erste Wahl. Das war der höchste monatliche Zufluss seit knapp vier Jahren. Rentenfonds sammelten 1,1 Mrd. Euro ein; aus Aktienfonds flossen 1,2 Mrd. Euro ab. Hans-Jürgen Schmidt, Abteilungsleiter Investment Fonds Finanz Maklerservice GmbH, sieht aktuell bei klassischen anleihelastigen Strategien äußerst geringe Renditechancen erhebliche Kursrisiken gegenüber und folgert, dass Kunden Mischfonds bevorzugen sollten. Dem pflichtet auch BCA-Vorstand Lang bei und ergänzt, dass Produkte mit aktivem Portfoliomanagement, flexiblen Strategien und einer breiten Streuung über verschiedene Assetklassen bis hin zur vollwertigen Vermögensverwaltung die größten Erfolge zeitigen sollten. Aktienfonds und Themenfonds könnten auch verstärkt im Schwerpunkt stehen, sagt Reichelt. Auch, ist für das laufende Jahr optimistisch gestimmt. Mit einer Fortsetzung der Trends aus dem Vorjahr sei zu rechnen, zudem eine Rückkehr klassischer globaler Aktienfonds und verstärktes Absatzpotenzial bei ausschüttungsorientierten Fonds. Auch John Schröder, Vorstand Jung, DMS & Cie. AG, ist für das laufende Jahr optimistisch gestimmt. Mit einer Fortsetzung der Trends aus dem Vorjahr sei zu rechnen, zudem eine Rückkehr klassischer globaler Aktienfonds und verstärktes Absatzpotenzial bei ausschüttungsorientierten Fonds.

Die Investmentgesellschaften forcieren den Trend zu Mischfonds mit neuen Produkten. Die Fondsgesellschaft Invesco präsentierte erst vor kurzem ihren neuen Multi Asset Fonds, den Invesco Global Targeted Returns Fund. Demnach bilden Mischfonds ein Kerninvestment, das zur Portfoliodiversifikation dient. Auch AXA Investment Managers (AXA IM) folgt dem Trend zu gemischten Portfolios und hat den AXA WF Global Income Generation aufgelegt. Der neue Dachfonds Pioneer Investments Multi Manager Best Select folgt ebenfalls diesem Trend und soll in die besten Multi Asset Fonds investieren.

Fazit

Die Niedrigzinsphase wird uns noch länger erhalten bleiben. Daher ist es empfehlenswert, Ertrags- und Risikoquellen der Geldanlage möglichst breit zu streuen. Mischfonds sind ideal in einem Marktumfeld, das keine eindeutigen Richtungsvorgaben kennt. Allerdings können nicht alle Fondsmanager den Markt immer exakt so timen, dass der Fonds in turbulenten Marktphasen rechtzeitig aus Risikoassets aussteigt. Europäische Aktienfonds feierten im vergangenen Jahr ein Comeback, das 2014 andauern könnte.

(ah)

Absatzbilanz der Fondsbranche – Printausgabe 02/2014