Positionierung für Überrenditen dank ESG-Strategien

13.01.2022

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Offenlegungsvorschriften sind für Investoren nichts Neues. Regulierer legen schon lange einen Fokus auf Transparenz von Finanzprodukten. Die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) der EU eröffnet jedoch ein neues Feld.

„Bislang war der Zweck eines professionellen Investments, einen guten risikoadjustierten Ertrag für den Anleger zu erzielen. Das hat sich geändert. Neu ist, dass der Regulierer unterstellt, dass gesellschaftlichen Problemen mit Finanzprodukten begegnet werden kann. Diese Sichtweise entstammt den jüngsten Entwicklungen im Impact Investment“, erklärt Bruno Bertocci, Leiter des Global Sustainable Equities Team von UBS Asset Management.

Mehr Transparenz und mehr Kapital für nachhaltige Anlagen

Zu den wichtigsten Zielen der SFDR-Verordnung zählt zum einen, Details von nachhaltigen Investments für Marktteilnehmer offenzulegen und ihre Entscheidungsfindung so zu verbessern. Zum anderen soll Kapital in nachhaltige Investments geleitet werden, die helfen, wichtige soziale und Klimaprobleme zu lösen. Parallel zur EU-Offenlegungsverordnung entwickelt sich global ein nachhaltiges Anlageuniversum. Internationale Standards und Empfehlungen für die Bewertung nachhaltigkeitsbezogener Daten und deren Offenlegung werden erarbeitet. „Wir dürften bald einheitliche Nachhaltigkeitsfaktoren sehen, da dies stark von den Regulierern weltweit unterstützt wird“, erwartet Bertocci.

Nicht warten, sondern jetzt die Übergangszeit nutzen

Auch wenn diese künftig sicherlich eine robustere Auswahl der in Sachen ESG führenden Unternehmen ermöglichen, so sollten Anleger nicht darauf warten. Im Gegenteil. „Schon mit aktuellen Daten können nachhaltige Portfolios aufgebaut werden, deren Risiko-Rendite-Profil nicht stark von konventionellen Portfolios abweicht“, meint Ryan Primmer, Leiter Investment Solutions bei UBS Asset Management.

Und noch wichtiger: Gerade die Übergangsphase zu einer nachhaltigeren Welt ist für Anleger aussichtsreich. „ESG-orientierte Strategien sind jetzt besser als traditionelle Benchmarks positioniert, um potenzielle Gewinne neuer Technologien mitzunehmen. Aktive Investoren, die eine ESG-Analyse in ihrem Ansatz integrieren, dürften überproportional profitieren“, erläutert Primmer. Zudem gewinnen ESG-Investments weiter an Beliebtheit. Zusammen mit der zunehmenden Regulierung dürfte dies die Nachfrage und den Wert entsprechender Unternehmen erhöhen. Kurzfristig könnte sich hier also Raum für Überrenditen bieten. Aufgabe der Asset Manager ist es, ein gutes Gleichgewicht zwischen ESG-Faktoren und traditionellen Performancezielen zu finden, um an beiden Fronten maximal zu profitieren. (fw)