Nachhaltig aus Überzeugung

25.02.2022

Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzenden der Barmenia Versicherungen / Foto: © Barmenia

Ohne eine eigene Nachhaltigkeits-Strategie sind Wirtschaftsunternehmen heute kaum noch zukunftsfähig. Sie würden auch bei den Kunden auf Barrieren stoßen. Schon frühzeitig hat dies die Barmenia erkannt – und sich so einen Vorsprung im Wettbewerb gesichert. finanzwelt hat sich hierzu ausführlich mit Dr. Andreas Eurich, dem Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens, unterhalten.

finanzwelt: Was bedeutet eigentlich für die Barmenia der Terminus Nachhaltigkeit? Dr. Andreas Eurich» Nachhaltigkeit beinhaltet für uns wirtschaftliches Handeln, soziale Verantwortung und Umweltbewusstsein. Diese drei Dimensionen wollen wir ganzheitlich, pragmatisch und transparent in unsere Wertschöpfungskette einbeziehen. Ganzheitlich bedeutet, dass wir Ökonomie, Soziales und Ökologie zusammendenken. Wir wollen unseren Weg transparent aufzeigen. Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette ist für uns wesentlich, da man hier den größten Gemeinwohlbeitrag leisten kann. Dies haben wir in unserer Nachhaltigkeitspositionierung festgeschrieben.

finanzwelt: Versicherer sind wirtschaftlich denkende und agierende Unternehmen. Inwieweit werden sie dabei vom Thema Nachhaltigkeit beeinflusst? Dr. Eurich» Ökologische und soziale Themen ergänzen die wirtschaftliche Komponente. Die Barmenia hat sich bereits vor über 20 Jahren mit Nachhaltigkeit befasst, indem wir diese ganzheitliche Denkweise bereits bei Produkten und Investitionen einbezogen haben. Uns war es immer wichtig, die Rolle eines aktiven Gestalters einzunehmen. Im letzten Jahr haben wir uns intensiv mit einer Weiterentwicklung unserer guten Nachhaltigkeitsposition beschäftigt. Wir haben eine neue Leitidee entwickelt, die zu unserer heutigen Aufstellung passt und die aktive Gestaltung der Zukunft umfasst: Nachhaltig aus Überzeugung. Dazu gibt es eine Beschreibung, die unsere Richtung konkretisiert.

finanzwelt: Schränkt dies auf irgendeine Art Ihren Handlungsspielraum ein? Dr. Eurich» Nein, es erweitert unser Spektrum der Möglichkeiten. Früher lag der Fokus eher auf Wirtschaftskennzahlen und nebenher haben die Unternehmen Soziales und Umwelt im Rahmen ihrer Vorstellungen bewegt. Die Welt ist aber komplexer geworden und die nachhaltige Betrachtung bildet den globalen Kontext sehr gut ab.

finanzwelt: Jeder Weg führt irgendwie zu einem selbstgesetzten Ziel. Wie sieht Ihr Ziel aus? Dr. Eurich» Wir sind vom europäischen Weg überzeugt. Wir unterstützten das 1,5-Grad-Ziel. Wir haben in vielen Bereichen bereits heute einen guten Status quo erreicht, zum Beispiel durch die Zeichnung der PRI im Jahr 2014 und die Festlegung von ESG-Ausschlusskriterien in der Kapitalanlage sowie den klimaneutralen Geschäftsbetrieb unserer Hauptverwaltungen seit 2015. Wir haben Ende letzten Jahres eine neue Wohngebäudeversicherung mit sozialen und ökologischen Leistungskriterien geschaffen, die am Markt hohe Zuwachsraten erzielt. Dennoch wollen wir mehr. Wie in den Jahren zuvor wollen wir die Rolle eines aktiven Gestalters zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Gesellschaft einnehmen. Unsere Nachhaltigkeitspositionierung zeigt die Fokusfelder auf, die in unsere Unternehmensstrategie eingeflossen sind. Dazu gehören Kapitalanlage, Produkte und Schadenmanagement sowie Beratung und eine Kultur der Vielfalt und Chancengleichheit. Wir wollen unsere Energie darauf verwenden und diese Themenfelder in die verantwortungsbewusste Barmenia-Zukunft führen und unseren Gemeinwohlbeitrag weiterhin leisten.

finanzwelt: Wenn Sie auf den Klimagipfel in Glasgow zurückblicken – wie sieht Ihr Fazit aus? Dr. Eurich» Das gemeinsame Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel ist ein starkes Signal in die Welt. Wissenschaftler bewerten die beschlossenen Maßnahmen als unzureichend, um das 1,5-Grad-Ziel erreichen zu können. Deshalb sollte aus meiner Sicht an den Maßnahmen zum Erreichen dieser Zieldefinition gearbeitet werden.

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