Je jünger, desto unzufriedener

27.02.2019

Foto: © New Africa - stock.adobe.com

Der Rentenkürzungen der Vergangenheit belasten vor allem jüngere Rentner: Diese bewerten ihre finanzielle Situation deutlich schlechter als ältere. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die älteren Rentner finanziell besser dastehen.

Derzeit plant die Bundesregierung, das aktuelle Rentenniveau bis 2025 festzuschreiben. Doch für viele aktuelle Rentner ist selbst das nicht ausreichend. Das zeigt eine aktuelle Postbank-Umfrage. In dieser gaben 46 % der befragten 50- bis 65-jährigen Rentner an, dass ihre finanzielle Situation schlechter sei, als sie es vor dem Ausscheiden aus dem Berufsleben erwartet hätten. Mit dem Alter steigt auch die Zufriedenheit mit der finanziellen Situation: So sind von den 66- bis 79-jährigen Rentner 34 % unzufrieden, bei den über 80-jährigen Rentnern sogar nur 14 %. „Naturgemäß befinden sich unter jüngeren Rentnern besonders viele, die eine reduzierte Altersrente beziehen“, erklärt Dr. Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, die Unzufriedenheit der 50- bis 65-Jährigen. „Auch Bezieher einer Erwerbsminderungsrente, die deutlich unter der normalen Altersrente liegt, sind in dieser Gruppe überproportional vertreten.“ Altersarmut betrifft vor allem Menschen, die besonders früh in Rente gehen. So befinden und den 50- bis 65-jährigen Rentnern sowohl mit 13 % der höchste Anteil von Sozialhilfeempfängern (Durchschnitt: 5 %) als auch mit 10 % der größte Anteil an Personen, die finanzielle Hilfe von Angehörigen erhält. Auch hier liegt der Durchschnitt bei 5 %.

Dass die älteren Befragten finanziell besser dastehen als die jüngeren, wird auch durch die Tatsache untermauert, dass 17 % der über 80-jährigen die Ersparnisse, die sie während ihres Berufslebens erworben haben, in erster Linie dazu nutzen um sich etwas zu gönnen. Dieser Wert nimmt bei den jüngeren Befragten kontinuierlich ab: Von den 66- bis 79-jährigen können dies nur noch 10 %, von 50- bis 66-jährigen lediglich 9 %.

Falsche Erwartungen

Ein Grund für die hohe finanzielle Unzufriedenheit der jüngeren Rentner ist, dass viele ihre Altersbezüge während ihres Erwerbslebens falsch eingeschätzt haben. So sind von den 50- bis 65-jährigen gerade einmal 40 % der Meinung, dass sie ihre aktuelle finanzielle Situation richtig bewertet haben, bevor sie in Rente gingen. Bei den 66- bis 79-jährigen liegt dieser Anteil mit 52 % etwas höher – was auch erklären könnte, warum offenbar ein Zusammenhang zwischen Alter und der Zufriedenheit mit der finanziellen Situation besteht. Diese Vermutung wird durch die Tatsache verstärkt, dass von den über 80-jährigen 64 % der Meinung sind, dass sie derzeit so viel Rente beziehen, wie sie es zuvor erwartet hatten. 15 % der über 80-jährigen hätten sogar vor ihrem Rentenbeginn mit einer schlechteren finanziellen Situation gerechnet. Bei den 50- bis 65-jährigen sind nur 10 % dieser Meinung, bei den 66- bis 79-jährigen mit 11 %.

Für Dr. Marco Bargel spiegelt sich in diesen Zahlen die Reform der gesetzlichen Rente innerhalb der letzten 20 Jahre wider. Dabei wurde das Rentenniveau in Relation zu den Erwerbseinkommen gesenkt, um der steigenden Zahl von Rentenbeziehern und der schrumpfenden Zahl von Beitragszahlern Rechnung zu tragen. „Hiervon sind viele jüngere Rentner betroffen. Bei den über 80-Jährigen, die ihren Rentenantrag in der Regel vor mindestens 15 Jahren gestellt haben, dürften sich die Reformen dagegen noch kaum auf die Höhe der Altersrente ausgewirkt haben“, so der Postbank Experte.

Neben dem sinkenden Rentenniveau wirkt sich der Wandel der Erwerbsbiografien negativ auf die Einkünfte der jüngeren Rentner aus: „Im Vergleich zu den über 80-Jährigen weisen 66- bis 79-Jährige längere Ausbildungszeiten und einen späteren Berufseinstieg vor. Zudem haben Phänomene wie Arbeitslosigkeit und atypische Beschäftigungsverhältnisse – wie Zeitarbeit, Teilzeit und befristete Beschäftigung – in den vergangenen 20 Jahren stark an Bedeutung gewonnen und führen zu einer geringeren Altersrente“, so Dr. Marco Bargel abschließend. (ahu)

www.postbank.de