Homeoffice-Boom würde Wohnungsmarkt verändern

19.06.2020

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Egal wie turbulent die Welt ist oder wie schlecht die Wirtschaft läuft: Gewohnt wird immer. Deshalb bleiben Wohnimmobilien auch in der Krise stabil. Anders ist hingegen die Situation für Gewerbeimmobilien und eine Art davon könnte sogar massiv in der Gunst verlieren. Das hätte auch Folgen für den Wohnimmobilienmarkt.  

Wie aus Statistiken der Bundesbank hervorgeht, ist in diesem Jahr das Kreditvolumen auf dem Wohnungsmarkt um 6,7 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Somit entwickelt sich der Wohnimmobilienmarkt trotz Corona-Krise stabil. Ganz anders hingegen die Situation auf dem Gewerbeimmobilienmarkt. So ist die Anzahl der Transaktionen von Büro- und Geschäftshäusern seit dem Ausbruch der Krise massiv gesunken. Vor allem für Hotels sind die Aussichten schlecht: So ist bei diesen eine Finanzierung derzeit schwierig bis zum Teil unmöglich.

Wie geht es weiter?

„Um mögliche zukünftige Entwicklungen einzuschätzen, ist in einer Phase mit hoher Unsicherheit die Bildung und Berechnung von Szenarien – auch von Extremszenarien – hilfreich“, erläutert Dr. Stefan Fahrländer, CEO von FPRE. „Dies gilt nicht nur für Prognosen zur Konjunktur, sondern speziell auch für Büro- und Wohnimmobilien. Zudem haben Szenarien eine Aussagekraft über das, was momentan als „schlimmste“ mögliche Entwicklung gilt – wenn es denn weniger schlimm kommt, umso besser.“

Die OECD geht inzwischen von zwei Szenarien aus: In einem kommt es zu einer zweiten Welle von Corona-Infektionen, im anderen bleibt diese aus. Bei Immobilienmarktprognosen stehen vor allem die Büro- und Wohnungsmärkte im Vordergrund. In einem weit verbreiteten Szenario wird davon ausgegangen, dass sich die Akzeptanz des Homeoffices so stark ausbreiten wird, dass der Bedarf an Büroflächen deutlich zurückgehen wird. Dr. Stefan Fahrländer ist diesbezüglich skeptisch: „Wieder einmal ein Abgesang auf das klassische Büro? Ob dies so kommen wird, wird sich zeigen. Bürofläche ist nicht nur eine Kostenposition für den Unternehmer, sondern ein Ort des Kundenkontakts, Ort der Leistungserbringung, für die Mitarbeiter auch strukturierendes Element des Tagesablaufs, Ort sozialen Austausches, der Kommunikation und der gelebten Firmenkultur. Die Identifikation und Loyalität mit der Firma findet nicht zuletzt über die Bereitstellung eines attraktiven Arbeitsplatzes und Arbeitsumfeldes statt – trotz etabliertem flexiblem Homeoffice.“ Sollte das Szenario aber dennoch Wirklichkeit werden, würde es aber weit mehr betreffen als nur den Büroflächenmarkt: „Ein starker Anstieg von Home Office hat auch einen Einfluss auf die Nachfrage von Wohnflächen und die nachgefragten Eigenschaften von Wohnimmobilien: Außenräume werden wichtiger, genauso wie der Arbeitsplatz für das Homeoffice. Letzterer hängt stark davon ab, ob sich der Arbeitgeber an den Zusatzkosten beteiligt oder nicht. Zudem dürfte sich die Nachfrage im Raum verändern und zu einer Renaissance des Einfamilienhauses führen“, erläutert Fahrländer. (ahu)