Hidden Champions versprechen lukrative Renditen

25.01.2022

Der Beginn des Kapitalmarktjahres 2022 verlief holprig. Angesichts anstehender Zinsanstiege in den USA wurden insbesondere Tech-Werte überdurchschnittlich verkauft. Sind nun die Gewinner von gestern die künftigen Verlierer? Und wohin steuert die deutsche Wirtschaft? finanzwelt im Interview mit Portfoliomanager Alexander Dominicus, MainFirst Asset Management. 

finanzwelt: Wie ist Ihre Erwartungshaltung für das Kapitalmarktjahr 2022? Alexander Dominicus: Die zentrale Botschaft lautet, dass die globale Weltwirtschaft sich auch 2022 weiter erholen wird und auf Kurs ist. Gleichwohl gibt es Faktoren, die die Anleger im laufenden Jahr durchaus in Atem halten dürften. Eine höhere Inflation, eine straffere Geldpolitik und die mögliche Ausbreitung neuer Coronavirus-Varianten stellen das weltweite Wirtschaftswachstum und die Gewinnentwicklung vor Herausforderungen. Geopolitische Spannungen wie der Ukraine-Konflikt kommen hinzu. Das alles gilt es in der Gesamtschau zu berücksichtigen, zumal die globalen Wachstumsprognosen für 2022 bereits nach unten angepasst wurden. Die Erholung schreitet voran, wird jedoch global gesehen uneinheitlich ausfallen. Aus den genannten Gründen könnte es am Kapitalmarkt volatiler als in 2021 zugehen, doch das birgt mitunter auch die Chance, dass man sich mit starken Produkten gut positionieren kann.

finanzwelt: Wohin steuert die deutsche Wirtschaft? Dominicus: Die deutsche Wirtschaft ist in hohem Maße exportorientiert und nicht isoliert zu betrachten. Nach dem Einbruch im Frühjahr 2020 ist sie im vergangenen Jahr wieder in die Wachstumsspur zurückgekehrt und das BIP nach ersten Schätzungen um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Insofern hat die hiesige Wirtschaft seit dem Einbruch zwar viel Boden gut gemacht, ihre Wertschöpfung liegt jedoch immer noch unter dem Vorkrisenniveau. Das laufende erste Quartal wird pandemiebedingt (Stichwort: Lieferengpässe) eher verhalten ausfallen, danach könnten die Chancen für einen breiten Aufschwung gut stehen. Das käme deutschen Aktien zupass, die insbesondere ihren US-Pendants seit geraumer Zeit hinterherhinken und aus Bewertungsgründen attraktiv erscheinen.

finanzwelt: Zuletzt standen die hochgepriesenen Tech-Aktien unter Druck. Sehen wir nun einen „Value-Markt“? Dominicus: Angesichts der hohen Inflation in den USA wird die Fed alle Register ziehen, um der Preissteigerung Einhalt zu gebieten. Ihr Instrumentenkasten ist groß, das Einleiten der Zinswende gehört dazu. Das wiederum belastet jene (Tech-)Titel mit einem hohen Wachstum und ambitionierten Bewertungen. In den vergangenen Jahren gab es für Value-Investoren einige Rückschläge, aber jetzt gibt es starke Argumente, die für diesen Stil sprechen.

finanzwelt: Das könnte wiederum auch Ihrem Fonds, dem MainFirst Germany Fund, zugutekommen. Dominicus: Absolut. Der MainFirst Germany Fund investiert vorrangig in Hidden Champions, d. h. in wachstumsstarke, unterbewertete, mittelständische Unternehmen, die sich unter anderem durch solide Bilanzen auszeichnen und das Potenzial für langfristiges Gewinnwachstum bergen. 2021 konnten wir eine absolute Performance von knapp 19 Prozent erzielen und lagen damit laut Citywire in der Peergroup über dem Durchschnitt sowie mehr als drei Prozent vor der Benchmark.

finanzwelt: ESG/Nachhaltigkeit wird zum Standard. Wie definiert MainFirst Nachhaltigkeit und wie spielt sie in der (breiteren) Fondspalette eine Rolle? Dominicus: So vielfältig wie Nachhaltigkeit im breiten Diskurs interpretiert wird, so unterschiedlich ist auch das Verständnis und die Herangehensweise in den einzelnen Fonds-Teams bei MainFirst. In unserem Team legen wir den Schwerpunkt auf den aktiven Dialog mit den Unternehmen, in die wir investieren, um dort nachhaltiges Handeln langfristig zu etablieren. Dabei nutzten wir auch die Option der aktiven Stimmrechtsausübung intensiv.

finanzwelt: Was müssen Assetmanager besonders beachten, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein? Dominicus: Es gilt, fortwährend die versprochene Leistung abzuliefern, mit der Zeit zu gehen und stets Wettbewerber und, noch wichtiger, Kunden im Blick zu haben, die uns ihr Vertrauen schenken. (ah)

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Alexander Dominicus - Foto: © MainFirst AM[/caption]