Bis zum bitteren Ende
15.12.2023

Foto: © Robert Kneschke - stock.adobe.com
Ambulante Pflegehilfe oder ein Pflegeplatz dringend gesucht und niemand hilft. In manchen Regionen Deutschlands ist das keine düstere Zukunftsvision mehr, sondern gehört zur täglichen Realität. Ein passender Pflegeheimplatz nahe der Angehörigen und Freunde gerät zum Glücksfall. Pflegende Angehörige kommen für Unterstützungen von ambulanten Pflegediensten auf die dortigen langen Wartelisten. Längst ist fachgerechte Pflege nicht mehr nur eine Frage des Geldes. Doch ohne die eigene private Pflegevorsorge ist ein freier Fall durch die sozialen Netze so gut wie ausgemacht.
Pflege im akuten Wandel
Die alternde Bevölkerung sorgt zwangsläufig für einen steigenden Bedarf an Pflegeleistungen. Die wachsenden Lücken in der Gesundheitsversorgung sowie sogenannte Volkskrankheiten wie etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder schlichtes Übergewicht befeuern die ohnehin angespannte Situation. Ähnlich wie die Gesundheitskassen schreiben die gesetzlichen Pflegeversicherungsträger tiefrote Zahlen und die Belastungen wachsen stetig weiter. Die Pflegekosten steigen, die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt zu und die Beitragszahler werden weniger. Einige Experten sehen in der Prävention zumindest eine Entlastungsmöglichkeit. Das Gesundheitssystem setzt jedoch vielmehr auf die Behandlung von Krankheiten. Die Früherkennung oder Prävention sollen gesetzlich Versicherte möglichst selbst zahlen und bleiben so im Hintertreffen. Private Krankenversicherer sind dem schon einen großen Schritt voraus, binden solche Vorsorgemaßnahmen in ihren Gesundheitsschutz ein und federn so die späteren Pflegeaufwendungen ab.
Pflege im akuten Notstand
Der Druck auf das Pflegepersonal steigt, was sich mit Einkommensverbesserungen kaum aufwiegen lässt. Während in Deutschland händeringend Pflegekräfte gesucht und im Ausland rekrutiert werden, suchen die hiesigen Fachkräfte in westeuropäischen Nachbarstaaten nach attraktiveren Anstellungen oder kehren dem Pflegeberuf ganz den Rücken. Für die verbleibenden Pflegerinnen und Pfleger steht Dauerstress auf der Arbeitsagenda. Fallen sie krankheitsbedingt mal aus, gelangt die verbleibende Pflegebelegschaft schnell an ihre Grenzen. Die Qualität der Pflegeleistungen sinkt und die Überlastung des Pflegepersonals mündet mitunter in unzureichender Betreuung. Schlimmstenfalls prägen Missstände und Vernachlässigungen die überlasteten Pflegeeinrichtungen. Die komplexen Regelungen und bürokratischen Hürden im Pflegesystem frustrieren zudem sowohl Pflegekräfte als auch Pflegebedürftige. Dabei konzentriert sich die Aufsicht durch Behörden eher auf Formalitäten, denn auf Pflegequalität und Rahmenbedingungen in den Pflegeeinrichtungen. Die Situation in der ambulanten Pflege und für pflegende Angehörige ist kaum rosiger. Statt für genügende Geldmittel und Förderung sorgt die Politik für komplexe Regulatorik, um an Pflegeleistungen und Urlaubsvertretungen zu gelangen. Für pflegende Angehörige drohen Einkommenseinbußen, wenn sie ihre Berufstätigkeiten einschränken oder aufgeben müssen. Die Folge: Eine geringe Versorgung im Alter und, sofern die Mehrfachbelastungen aus Beruf, Familie und Pflege gravierende Spuren hinterlassen, im eventuellen Pflegefall.
Pflege im akuten Finanzloch
Rund jeder fünfte Arbeitnehmer ist Niedriglohnempfänger und verdient am Mindestlohnrand. Deutschland befindet sich damit im letzten Drittel im Europavergleich. Selbst bei einer Vollbeschäftigung füllen die relativ niedrigen Beiträge die Sozialkassen für das Alter, im Gesundheitsschutz und ebenso zur Pflege nicht hinreichend auf. Selbst Pflegekräfte bewegten sich über Jahrzehnte nahe Mindestlohn. Die massive Nachfrage nach Pflegepersonal und jüngst die Inflation katapultierten deren Einkommen und damit die Pflegekosten in spürbar neue Höhen. Eine wachsende Bürokratie rund um die Pflege verschlingt ebenso wertvolle Mittel wie der technologische Fortschritt. Die Integration neuer IT in den Verwaltungseinheiten sowie die Entwicklung kostensenkender Technologien wie z. B. Telemedizin oder Pflegeroboter benötigen zuvor Investitionen, um später eventuelle Kostenvorteile in der Pflege zu realisieren. Die Erfolge sind dabei ungewiss und bedingen oftmals kostenintensive Anpassungen. Demgegenüber stehen sinkendes Beitragsaufkommen und dementsprechend umfangreichere staatliche Zuschüsse, um die steigenden Pflegekosten zu decken. Auf Sicht drohen erhebliche Finanzierungslücken sowie ein stetig sinkendes Leistungsniveau wie in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung. Die private Pflegevorsorge erscheint als einziger Ausweg. (gg)
Fazit
Es ist nicht so schlimm wie es aussieht, sondern deutlich schlimmer. Eine Notbremsung der Politik ist kaum zu erwarten. Für Betroffene entwickeln sich die Risiken eines eigenen Pflegebedarfs sowie aus der Angehörigenpflege mit Spätfolgen zum Existenzrisiko. In der Versicherungsberatung avancieren Pflegelösungen zu den wichtigen Versicherungen, um die existenzzerstörenden finanziellen Folgen abzuwenden, und stehen z. B. gleichauf mit Absicherungen der Arbeitskraft, im Alter oder gegen Haftpflichtansprüche. Ohne passende Beratung rufen künftige Pflegeschutzlücken eventuell Ersatzforderungen seitens der Betroffenen oder ihrer gesetzlichen Betreuer auf den Plan. Die Politik mag in der Pflege noch schlummern, für derartige Rückgriffe ist gesetzlich alles vorbereitet. Pflegeversicherungen lohnen sich also gleich mehrfach und steigern zudem den Bestandswert.

Auswirkungen der US-Zollpläne auf die Versicherungsbranche
