Frauen verstehen nichts von Geld – Wahrheit oder Mythos?

Autorin und Mentorin Daniela Landgraf / Foto: © Daniela Landgraf

Die Antwort ist: es kommt drauf an! Selbstverständlich gibt es Frauen, die sich sehr gut mit dem Thema Geld auskennen und teilweise viel geschickter und besser agieren, als Männer. Doch leider gibt es auch nach wie vor noch sehr viele Frauen, die keine Lust auf das Thema Finanzen haben und es lieber den Männern überlassen.

Das ist vielleicht auch historisch gewachsen, denn früher einmal waren die Männer für das Geldverdienen und die Geldmehrung zuständig, während sich Frauen um die Familie, die Kinder und das Heim gekümmert haben. Die Gesellschaft verändert sich erst seit gut 100 Jahren. So trat beispielsweise erst 1919 das Frauenwahlrecht in Kraft. Ein eigenes Konto dürfen Frauen erst seit 1958 eröffnen. Bis zu diesem Zeitpunkt durften sie nicht selbst über ihr eigenes Geld entscheiden. Weiterhin lag es bis 1958 in der Entscheidung des Mannes, ob und wo seine Frau arbeiten durfte oder nicht. Auch, wenn 1958 das Gleichberechtigungsgesetz in Kraft trat, durfte eine Frau in Westdeutschland bis 1977 nur dann berufstätig sein, wenn es mit ihren „Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war.

Somit ist es nicht ganz verwunderlich, dass viele Frauen Nachholbedarf haben. Je jünger die Generation, desto weniger ist das jedoch heutzutage noch zu bemerken.
Fakt ist allerdings: Männer und Frauen haben in vielen Fällen einen komplett unterschiedlichen Umgang mit dem Thema Geld. Frauen sind häufig sehr viel vorsichtiger und lassen ihr Geld lieber in unrentablen, dafür vermeintlich sichereren Anlagen liegen. Die Bereiche Aktien, Krypto und Immobilien-Investments sind aktuell mehr die Spielwiesen von Männern, als von Frauen. Ganz allmählich scheint es sich jedoch zu wandeln. Frauen-Investmentclubs und Finanzcoaching für Frauen haben aktuell Hochkonjunktur. Immer mehr Frauen beschäftigen sich mit den Themen Geldanlage und Investments. Die Gesellschaft scheint sich weiter zu wandeln. Und das ist auch gut so!

Männer und Frauen in der Businesswelt

Doch nicht nur beim Thema Geldanlage und Investments scheiden sich die Geister bzw. die Einstellungen von Männern und Frauen. Beim Thema Verhandlungen gibt es einen Riesenunterschied. Während Männer es meistens einfach tun, also „knallhart“ verhandeln und ihre Rechte einfordern (so manches Mal ohne Rücksicht auf die Gefühle und Emotionen des Verhandlungspartners), gehen Frauen da sehr viel vorsichtiger vor. Leider so manches Mal zu vorsichtig. Hier könnten beide Seiten voneinander lernen!

Einer der Klassiker: es ist eine Führungsposition zu vergeben! Mal angenommen, es gibt eine weibliche Bewerberin und einen männlichen Bewerber. Beide erfüllen die Anforderungen zu 50%. Die meisten Männer, die sich nun für diese Position interessieren, gehen selbstsicher und souverän in die Verhandlung. Sie sind überzeugt davon, dass sie die 50% Kompetenz, die aktuell noch fehlen, ganz schnell aufholen können und genau die richtige Person für die ausgeschriebene Position sind.
Bei vielen Frauen fangen schon im Vorfeld die Selbstzweifel an. Gedanken wie: „Ob ich wirklich die Richtige bin?“, „Was ist, wenn ich den Anforderungen nicht genüge?“ oder „Vielleicht sollte ich, bevor ich mich auf so eine Position bewerbe, noch einmal diese oder jene Weiterbildung machen“ sind an der Tagesordnung. Frauen dürfen lernen, sich in solchen Fällen besser zu behaupten und einfach mal „Hier!“ zu schreien.

Ein weiterer Finanzbereich, in denen Frauen von Männern noch viel lernen dürfen, ist der Bereich der Preisverhandlungen, z.B. Rabatte aushandeln im Einkauf. Weiterhin gehört auch dazu, sich selbst zu verkaufen und sein gewünschtes Honorar oder Gehalt für die eigene Arbeitskraft zu nennen. Im Verkauf wiederum dürfen z.B. selbständige und freiberufliche Frauen lernen, nicht allzu schnell Rabatte und Sonderkonditionen zu geben, sondern einen angemessenen Preis für die eigenen Waren und Dienstleistungen zu erhalten.

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