Zinserwartungsschaukel

Michael Beck,

Man sollte meinen, dass den meisten Marktteilnehmern bewusst ist, dass die US-amerikanische Notenbank Fed kurz davor ist, mehrere Leitzinserhöhungen durchzuführen. Nun ist dieses Argument bereits unzählige Male ins Feld geführt worden, um diverse Kursrückgänge bzw. schwache Aktienmarkttage zu erklären.

Auch die jüngste Marktschwäche scheint ihre Hauptursache in der gestiegenen Wahrscheinlichkeit einer US-Leitzinserhöhung zu haben. Zumindest, wenn man den einschlägigen Händlerkommentaren Glauben schenken mag. Nun, wie so oft in diesen Fällen sorgen neue, besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten für einen raschen Wechsel der Anlegerstimmung. Zudem scheinen jüngste Umfragewerte darauf hinzudeuten, dass zurzeit eine stabile Mehrheit in Großbritannien den Verbleib in der EU befürwortet (55 %) und den Brexit (42 %) ablehnt. Beide Entwicklungen führen zu einem schwachen Euro, der die exportsensitiven Werte in Europa stützt. Selbst in den gebeutelten Rohstoff- und Schwellenländermärkten setzt sich eine vermehrt entspannte Sichtweise der Dinge durch. Wer weiß, vielleicht straft der Mai in diesem Jahr die alte Mai-Börsenregel Lügen und man sollte eher an den althergebrachten Wetterregeln anknüpfen: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Aktionär Depot und Fass.“

Autor: Michael Beck,
Leiter Asset Management Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG