Die eierlegende Wollmilchsau

27.06.2023

Dominik Noizet, Regionaldirektionsleiter für Global Finanz Finanz- und Versicherungsmakler - © Dominik Noizet Finanzberatung

Gehört haben sicher schon viele von ihr, gesehen hat diese vermutlich noch niemand, die eierlegende Wollmilchsau. Nun gilt sie allgemein als Begriff für ein Produkt, das alle Vorteile und keine Nachteile enthält. So etwas ist in der Tat schwer bis unmöglich zu finden.

Dies gilt auch beim Thema Kapitalanlage und insbesondere beim für das Ansparen einer Altersvorsorge. Der demographische Wandel ist mittlerweile fast Jedem klar. Dass die gesetzlichen Rentensysteme daher alleine in aller Regel nicht für eine auskömmliche Altersversorgung ausreichen, ist ebenfalls ein Fakt vor dem nur Wenige die Augen verschließen. Auch die Bereitschaft Geld dafür zur Seite zu legen ist groß. Tatsächlich ist es so, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt und daher auch eine „Kopf in den Sand“ Haltung entstehen kann. Bevor eine falsche Wahl getroffen wird, wird besser gar keine getroffen. Das ist natürlich absurd und trotzdem taucht dieses Phänomen immer wieder auf.

Heute soll es um den Vergleich einer Kapitalanlage fürs Alter über Investmentfonds gehen. Seit Jahrzehnten kann hier vortrefflich gestritten werden, ob eine Direktanlage in Fonds über ein Depot oder eine Versicherungslösung die sogenannte Fondspolice hier eine bessere Variante darstellt. Die Direktanlage bietet sicher Vorteile in der Vielzahl der Fonds die zur Auswahl stehen. Kosten entstehen erst bei jedem Kauf und sind über Onlinetrader auch sehr günstig handelbar. Auf den ersten Blick also die wesentlich bessere Variante.

Versicherungen fahren hier aber auch ein ganz anderes Modell, denn in der Regel enthalten die Verträge feste Zusagen die in die Kalkulation natürlich einfließen. Das können typische Versicherungsthemen sein wie eine Todesfallabsicherung über die Beiträge hinaus oder auch das Management der Kapitalanlage betreffen wie Beitragssicherungen oder Re-Balancing. Oftmals werden auch vergünstigte Tranchen der Fonds in den Verträgen geführt oder Rückvergütungen in die Verträge ausgeschüttet. Fast immer sind Fondswechsel im Versicherungsmantel ohne Kosten durchführbar, was gerade bei langlaufenden Verträgen wichtig sein kann. Ein elementarer Punkt bei Versicherungen ist, dass diese eine lebenslange Rente garantieren.

Steigende Lebenserwartung spielt keine Rolle mehr

Bei der Direktanlage kann nur verzehrt werden und eventuell reicht das Kapital nicht bis zum Ende. Dafür sind die Renten in der Versicherung in der Regel zu Beginn niedriger, die Garantie muss ja bezahlt werden. Bei Fondspolicen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der sogenannte Rentengarantiefaktor festgelegt ist und im Nachgang nicht geändert werden kann. Das bedeutet eine feste Rente für einen bestimmten Betrag. Wie hoch die Rente am Schluss ausfällt, errechnet sich zwar immer noch nach dem Gesamtbetrag der erzielt wird. Aber Niedrigzinsphasen oder steigende Lebenserwartung spielen dann keine Rolle mehr.

Übrigens haben einige Anbieter, die hier eine Änderungsmöglichkeit in den Verträgen haben, in den letzten Jahren davon auch Gebrauch gemacht. Das entbehrt dem Sinn einer Versicherung. Natürlich spielen auch steuerliche Themen eine Rolle, bei Versicherungen schon wieder gar nicht so leicht zu überblicken, da es hier entweder Vorteile in der Einzahlphase oder in der Auszahlphase gibt. Ebenso kommt es auf den Durchführungsweg an, ob später eine einmalige Auszahlung des Gesamtkapitals oder nur eine Rente möglich ist.

Hier sollte vor Abschluss immer eine Analyse der Vor- und Nachteile auf die individuelle Situation gemacht werden. Insgesamt lässt sich aber durchaus sagen, dass die Anlage in der Versicherung gegenüber der Direktanlage steuerliche Vorteile besitzt, vor allem wenn es um das Thema Vermögensübertragung oder Vererben geht. Teilweise bieten Versicherer hier extra dafür geschaffene Lösungen an wie beispielsweise zwei Versicherungsnehmer, je nach Ausgestaltung kann dies massive Auswirkungen auf die Erbschaftssteuer haben.

Nun am Ende kommt die Wahrheit ans Licht, die eierlegende Wollmilchsau gibt es leider nicht. Jede Entscheidung wird Vor- und auch Nachteile mit sich bringen. Eine Fondslösung wird bei einer reinen Kostenbetrachtung sicher vorne liegen und manchmal ist das der entscheidende Faktor. Eine Versicherung muss mit höheren Kosten kalkulieren, kann dafür in der Gesamtheit mit einer ganzen Menge zusätzlicher Bausteinen Punkten. Beide Wege haben also ihre Berechtigung. Finanzberater die für beide Bereiche eine Zulassung haben, sollte eine Abwägung der individuellen Ziele und Wünsche daher der erste Schritt sein, um im jedem Fall einzeln darüber eine Entscheidungsgrundlage erstellen zu können, welcher Weg dieses Mal der bessere ist.

Ganz klar ist auf jeden Fall, wer spart und Geld zur Seite legt, wird dann im Ruhestand auch mehr zur Verfügung haben, als jemand der dies nicht tut.

Kolumne von von Dominik Noizet, Finanz- und Versicherungsmakler und Regionaldirektionsleiter für Global Finanz in Frickenhausen