Geopolitische Spannungen – Wie reagieren die Märkte?

Kristina Hooper Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist bei der Invesco Asset Management Deutschland GmbH / Foto: © Invesco

Die geopolitischen Ereignisse der vergangenen Woche — von den US-amerikanischen Sanktionen gegen Russland bis zu den Militärschlägen in Syrien — haben die Preise verschiedener Rohstoffe belastet und mehrere Währungen unter Druck gesetzt.

Raketenangriffe im Nahen Osten

Die Lage im Nahen Osten wird immer problematischer. Aus dem Jemen feuern die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen Raketen auf Saudi-Arabien ab. Diese wurden bislang zwar abgefangen. Die Raketenangriffe scheinen jedoch die Ölinfrastruktur des Landes zum Ziel zu haben. In Verbindung mit der Verschärfung der Lage in Syrien hat dies in der vergangenen Woche zu einem Anstieg des Ölpreises um über 7% geführt.

Nach Handelsschluss in den USA am Freitag haben die USA, Frankreich und Großbritannien nach Berichten über einen Giftgaseinsatz des syrischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung einen gemeinsamen Militärschlag gegen ausgewählte Ziele in Syrien durchgeführt. Mit diesem Vorgehen riskieren die drei Länder einen direkten Konflikt mit Russland, das die syrische Regierung unterstützt, und damit eine Verschärfung der aktuellen Spannungen. Syrien ist zwar kein bedeutender Ölproduzent, seine Nachbarländer aber schon – und sie könnten in den Konflikt hineingezogen werden. Darüber hinaus ist es wahrscheinlicher geworden, dass die USA ihr Nuklearabkommen mit dem Iran aufkündigen werden, nachdem Präsident Trump zuletzt Gegner des Atom-Deals in seine Regierung geholt hat. Käme es dazu, würden die Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft gesetzt, was die Ölverkäufe des Landes erschweren würde. Alle diese Ereignisse dürften dem Ölpreis weiter Auftrieb geben und die zuletzt beobachtete Volatilität einiger Schwellenländerwährungen verstärken.

Sanktionen gegen Russland

Die USA haben Sanktionen gegen verschiedene russische Unternehmen verhängt, darunter Rusal, der zweitgrößte Aluminiumproduzent der Welt. Die dadurch geschürten Sorgen über ein möglicherweise knapperes Angebot haben den Aluminiumpreis in der vergangenen Woche um rund 15% steigen lassen. Gleichzeitig haben die Sanktionen gegen Russland dazu geführt, dass sowohl Platin als auch Palladium zuletzt höher notiert haben. Grund dafür ist die Tatsache, dass der weltgrößte Palladium-Produzent Nornickel mit Rusal und einem von den USA ebenfalls mit Sanktionen belegten Oligarchen assoziiert ist. Obwohl gegen Nornickel selbst bislang keine Sanktionen verhängt wurden, wird befürchtet, dass das Unternehmen von den amerikanischen Strafmaßnahmen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Die Sanktionen gegen Russland haben auch auf den Rubel gedrückt.

Auf längere Sicht halte ich weder die Krisen im Nahen Osten noch die Sanktionen gegen Russland für größere Sorgenfaktoren. Selbst die dramatischsten geopolitischen Ereignisse haben gewöhnlich nur kurzfristige Marktauswirkungen. Allerdings könnte die amerikanisch-britisch-französische Koalition noch mehr Luftschläge gegen Syrien durchführen und die Lage in Syrien könnte sich noch weiter verschärfen, bevor sie besser wird. Außerdem könnten weitere Sanktionen gegen Russland verhängt werden. Schließlich ist da noch das wahrscheinliche Scheitern des Nuklearabkommens der USA mit dem Iran. Kurzfristig dürften diese Ereignisse die Preise bestimmter Rohstoffe wie Öl in die Höhe treiben und zu einer höheren Volatilität and den Rohstoff-, Devisen- und Aktienmärkten führen. (Angesichts der indischen Abhängigkeit vom Öl dürften die Kurse am indischen Markt zum Beispiel vorübergehend unter Druck stehen.) Mittelfristig sollten diese Ereignisse jedoch keine wesentlichen Auswirkungen haben.

Der größte Sorgenfaktor — der Protektionismus

In der zurückliegenden Woche reagierten die Rohstoffnotierungen zudem auf Sorgen über protektionistische Maßnahmen. Während der Zinkpreis nachgab, haben sich Aluminium und Stahl deutlich verteuert, seitdem im letzten Monat Importzölle auf beide Rohstoffe angekündigt wurden. Stichwort Strafzölle: Die Aussicht auf einen größeren Protektionismus beunruhigt mich weitaus mehr als die Krise in Syrien oder die Sanktionen gegen Russland. In der vergangenen Woche war ein kollektives Aufatmen an den globalen Kapitalmärkten zu verspüren, als sich der chinesische Präsident Xi Jinping beim Boao Forum versöhnlich zeigte. Ich halte es aber für falsch anzunehmen, dass sich die Spannungen in den Handelsbeziehungen auflösen werden, und glaube immer noch, dass Xi in den Verhandlungen mit den USA keine nennenswerten Zugeständnisse machen wird. Für verfehlt halte ich auch den Optimismus angesichts der Meldung, dass die USA einen Wiedereinstieg in die Transpazifische Partnerschaft erwägen. Ein solcher Schritt würde mich sehr überraschen – schließlich ist dieses Handelsabkommen bereits verhandelt worden. Es gibt wenig Grund zu glauben, dass die Vertragsparteien bereit wären, bedeutende Anpassungen an ihrem Abkommen vorzunehmen, um dieses für die USA akzeptabel zu machen, ohne im Gegenzug Zugeständnisse zu fordern.

Aus meiner Sicht ist und bleibt der Protektionismus der größte Sorgenfaktor für die Märkte — und das Protokoll der März-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-amerikanischen Notenbank (Fed) signalisiert, dass die Fed die gleiche Ansicht vertritt. Was passieren könnte, ist allerdings schwer zu sagen. Wir wissen, dass der Protektionismus vielfältige Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben kann. Weil protektionistische Maßnahmen den wirtschaftlichen Ausblick unsicherer machen, führen sie gewöhnlich zu einer höheren Marktvolatilität. Und der aktuelle Handelskonflikt zwischen den USA und China könnte bedeutende Auswirkungen auf die Devisenmärkte haben. Das Arsenal, auf das China in diesem Konflikt potenziell zurückgreifen kann, umfasst schließlich nicht nur Strafzölle und Einfuhrquoten, sondern auch eine mögliche Abwertung des Yuan. Dadurch würden Waren aus China attraktiver für ausländische Käufer, so dass sich das US-amerikanische Handelsdefizit mit China ausweiten dürfte. Darüber hinaus könnte dies Folgen für andere asiatische Währungen haben. Da nichts darauf hindeutet, dass die geopolitischen Krisen in absehbarer Zeit gelöst sein werden, rechne ich mit einer anhaltend erhöhten Volatilität der Schwellenländerwährungen. Unterdessen dürfte der Yen als „sicherer Hafen“ von der allgemeinen Verunsicherung profitieren und aufwerten.

Marktkommentar von Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist bei Invesco Asset Management Deutschland Gmbh