Fundamentaldaten zählen!

Dr. Otmar Lang / Foto: © TARGOBANK

Wieder einmal kommt es anders als erwartet: Obwohl Donald Trump vor dem Kongress konkrete Aussagen zu seiner geplanten Steuerreform schuldig blieb, reagieren die Börsen positiv. Die meisten Analysten hatten für genau diesen Fall Kursverluste vorausgesagt.

Einig ist sich das Gros der Analysten aber nach wie vor, dass die Märkte im Herbst fallen werden – weil Trump spätestens bis dahin entzaubert sein wird. 30 Prozent der von Sentix befragten Analysten erwarten sogar, dass Präsident Trump seine erste Amtszeit nicht durchstehen wird.

Es bleibt festzuhalten: Insgesamt wird derzeit weltweit sehr stark auf die Politik geachtet – und viel zu wenig auf die fundamentalen Daten. Denn die Aussichten sind trotz der negativen politischen Stimmung positiv.

So zeigt der Morgan Stanley-Welthandel-Frühindikator deutlich nach oben. Demnach könnte sich der globale Handel in den kommenden Monaten deutlich erholen, was wiederum ein sehr positives Signal für die Aktienmärkte wäre. Ein Zuwachs von bis zu zehn Prozent ist möglich. Das überrascht gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Diskussionen über einen zunehmenden Handelsprotektionismus.

Aufgrund der globalen Konjunkturbelebung, die durch einen Anstieg der Einkaufsmanager-Indikatoren und OECD-Frühindikatoren untermauert wird, zeichnet sich auch eine allmähliche Wende bei den Unternehmensgewinnen ab. Das sollte den Schrecken vor den teilweise hohen Bewertungen nehmen.

Die Aktien, gemessen im Weltaktienindex MSCI Welt, könnten entgegen den Erwartungen im laufenden Jahr noch deutlich zulegen, insgesamt um rund 20 Prozent. Auch die gestern veröffentlichten US-Konjunkturdaten (Chicago- und Richmond Einkaufsmanagerindex sowie das Conference Board Verbrauchervertrauen) lassen allesamt unverändert auf eine anhaltende Erholung der US-Wirtschaft schließen. In dieses Bild passt auch die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer US-Zinsanhebung im März.

Rein nach Faktenlage – unter Ausschluss der politischen Risiken – ist der globale Konjunkturausblick also sehr positiv zu werten. Doch schon der ehemalige Wirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard wusste: „Die Hälfte der Wirtschaft ist Psychologie“. Wenn sich alle an Trumps Politik reiben, sinkt die Stimmung, auch an den Märkten. Auch wenn die Fundamentaldaten in eine andere Richtung zeigen.

Marktkommentar von Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK