Vorsicht bei kurzlaufenden Unternehmensanleihen

Martin Nybye Sørensen, Leiter Abteilung Unternehmensanleihen Jyske Capital / Foto: © Jyske Capital

Unternehmensanleihen mit kurzer Duration – vor allem aus dem Hochzinsbereich – sind eine beliebte Lösung, um noch etwas Rendite zu erzielen und zugleich dem Risiko steigender Zinsen zu trotzen. Allerdings haben Strategien, die nur auf kurze Durationen setzen, Schwachstellen und ein schlechteres Risiko-Rendite-Profil als viele Anleger denken. Martin Nybye Sørensen, Leiter der Abteilung Unternehmensanleihen bei Jyske Capital, sieht im aktuellem Umfeld bessere Wege zu mehr Rendite bei begrenztem Zinsrisiko. Zum Beispiel über ein breites, flexibles Corporate-Bonds-Portfolio, das über Futures gegen steigende Zinsen abgesichert wird. Darüber hinaus gilt speziell für Hochzinsanleger: Die einfachen Käufe sind vorbei. Wer eine solide Kreditqualität anstrebt, sollte einen Risikoprämienansatz (Multi-Faktor-Modell) erwägen.

Seit Jahren nutzen Investoren Unternehmensanleihen, um höhere Renditen zu erzielen und Portfolios zu diversifizieren. Aktuell sind sie auf der Suche nach Anleihen, die zusätzlich vor dem wachsenden Risiko steigender Zinsen schützen. Viele verschlägt es dabei zu Unternehmensanleihen mit kurzer Duration. Allerdings zwingt die Konzentration auf Kurzläufer Investoren zu größeren Zugeständnissen bei der Kreditqualität, um noch eine halbwegs attraktive Rendite zu erzielen. Hochzinsanleihen stehen daher oft im Fokus dieser Strategie.

Bei High Yields steigen in der Regel die Zinsen und Renditeaufschläge mit der Duration. Anleihen mit kurzer Laufzeit liefern also weniger Erträge als länger laufende Papiere. Das Problem dabei: Die geringere Ertragserwartung geht nicht unbedingt mit einem niedrigeren Risiko einher. Dies hängt mit der bei Hochzinsanleihen üblichen vorzeitigen Rückkaufoption zusammen. Der Emittent lässt sich die Möglichkeit offen, die Anleihe bereits zu einem Zeitpunkt vor der endgültigen Fälligkeit abzulösen.

Ertragschancen passen nicht zum eingegangenen Risiko

Ob der Emittent von seiner Option Gebrauch macht, hängt in der Regel davon ab, ob der Anleihekurs über oder unter dem festgelegten Rückkaufpreis notiert: Ist der Marktpreis höher, wird der Emittent die Anleihe ablösen und sich neu finanzieren.

In einem positiven Szenario mit fallenden Unternehmensanleihezinsen steigt der Preis von Anleihen mit langer Duration besonders stark. Bei den kurzfristigeren Papieren wird erwartetet, dass sie bei der ersten Rückkaufoption aufgelöst werden, und sie legen daher nicht so stark zu.

In einem gegensätzlichen Szenario mit steigenden Unternehmensanleihezinsen, wird die kurzfristige Anleihe zunächst etwas, das langfristige Papier hingegen deutlicher fallen. Wenn der Renditeanstieg jedoch stärker ausfällt, wird der kurzfristige Bond schnell unter den Rückkaufpreis fallen. Eine frühzeitige Ablösung ist dann nicht mehr wahrscheinlich, und die Duration der Anleihe steigt, da sie nun bis zur endgültigen Fälligkeit läuft. Der Preisverfall der kurzfristigen Anleihe könnte also viel deutlicher ausfallen, als man es von einer Anleihe mit kurzer Duration erwartet hätte.

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