Stimmung der Immobilienfinanzierer hellt sich auf

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BF. Quartalsbarometer zeigt, dass die Hälfte der Immobilienfinanzierer ein steigendes Neukundegeschäft erwartet. Außerdem sind sie bereit, für höhere Erträge auch höhere Risiken einzugehen. Auch die wirtschaftspolitische Lage kommt den Immobilienfinanzierern zugute.

Das von der BF.direkt AG veröffentlichte BF.Quartalsbarometer zeigt, dass die Immobilienfinanzierer in Deutschland in ansteigender Stimmung sind. So hat sich der Barometerwert von 0,52 auf 2,05 deutlich verbessert. Je höher dieser Wert, desto höher die Finanzierungsbereitschaft der Banken und desto besser wird die Immobilienwirtschaft mit Krediten versorgt. Die Berechnung des Quartalsbarometerwertes erfolgt aus einer mehreren Einzelwerten. Dazu wurden insgesamt über 120 Experten befragt, die größtenteils direkt mit der Vergabe von Krediten an Immobilienunternehmen betraut sind.

Vor allem die Beurteilung des Neukundengeschäftes hat sich im vergangenen Quartal deutlich gebessert. So erwarten mit 50 Prozent 6,5 Prozentpunkte mehr als im vorigen Quartal ein ansteigendes Neugeschäft. Dazu Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG: „Zusammenfassend ist zu beobachten, dass bei den Finanzierern der Wunsch nach einer Ausweitung des Neugeschäfts sowie eine Tendenz zu höheren Risiken besteht. Beides zeigt sich an verschiedenen Antworten unserer Befragung. So hat gegenüber dem letzten Quartalsbarometer der ‚Wunsch nach einem großen Neugeschäftsvolumen‘ (+2,5 Prozentpunkte) und die ‚Maximierung von Ertrag und Rendite‘ (+1,1 Prozentpunkte) zugenommen.“ Als weniger wichtig wurde hingegen die Verwendung der Kredite für den Deckungsstock eingestuft, für die sehr strenge Vorgaben bestehen. Hier sank der Wert um 2,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal. „Zu dieser Verschiebung passt auch eine verstärkte Finanzierungsaktivität bei Nischenimmobilien“, ergänzt Manuel Köppel, CFO der BF.direkt AG.

Auffällig ist, dass bei den Fragen zur Finanzierung von Bestandsimmobilien besonders Nischensegmente wie Parkhäuser (+1,2 Prozentpunkte), Hotels (+ 0,8 Prozentpunkte) und Sozialimmobilien (+0,6 Prozentpunkte) häufiger genannt werden. Eine ebenfalls stärkere Nachfrage erfuhren sowohl die Finanzierung für Mikro-Apartments. Dies gilt sowohl für den Bestand (+1,2 Prozentpunkte) als auch für Projektentwicklungen (+2,5 Prozentpunkte). Vor allem das Wohnsegment punktet bei der Finanzierung von Projektentwicklungen. Neben den Mikro-Apartments haben sowohl Bauträgerfinanzierung (+2,2 Prozentpunkte) als auch Wohnimmobilien für den eigenen Bestand (+1 Prozentpunkt) Zuwächse zu verzeichnen. „Im letzten Quartal konnten wir einen Abfall beobachten, den wir u.a. den Auswirkungen der Wohnimmobilienkreditrichtlinie zugeschrieben haben. Die aktuelle Entwicklung kann so interpretiert werden, dass die Auswirkungen nicht gravierend und anhaltend sind“, erläutert Köppel. Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg und wissenschaftlicher Berater des BF.Quartalbarometers, kommentiert: „Diese deutliche Erholung des Gesamt-Barometerwerts wird auch von mehreren Makro-Faktoren beeinflusst. Einerseits haben sich viele Befürchtungen nach dem Brexit-Votum, die vor drei Monaten vielleicht noch die Stimmung gedämpft haben, in den seither vergangenen Monaten nicht erfüllt. Ein weiterer positiver Faktor ist, dass bis Ende März 2017 keine Änderung des „Quantitative Easings“ der EZB zu erwarten ist, da das aktuelle Programm bis dahin läuft. Dies führt dazu, dass die Finanzierer für die kommenden Monate gut planen können und am Markt die sehr positive Einschätzung der Geschäfte – zumindest bis zum Jahresende – vorherrscht. Eher dämpfend wirken bevorstehende Regulierungsmaßnahmen. In Deutschland werden derzeit makroökonomische Instrumente vorbereitet, mit denen der Gesetzgeber künftige Immobilienblasen verhindern will. Dies würde natürlich einen substantiellen Eingriff in die Immobilienfinanzierung bedeuten.“ (ah)

Das komplette Quartalsbarometer finden Sie hier!