Renommée als Stock-Picker

finanzwelt: Mehr als 800 neue Mischfonds wurden allein im vergangenen Jahr in Europa aufgelegt, berichtet Morningstar. Anhand dieser Fülle, wie kann der Berater überhaupt noch den Überblick behalten? de Berranger: Grundsätzlich wir sind überzeugt: Mischfonds müssen transparent und leicht verständlich sein und zudem über einen längeren Track Record verfügen. Wir haben beim Echiquier Arty leicht verständliche Regeln und können zu jeder Zeit die Performance ausweisen. Der Echiquier Arty wurde am 30. Mai 2008 aufgelegt und hat somit einen Track Record von über 8 Jahren. Von Anfang an manage ich den Fonds und leite zudem unser Team für Mischfonds und Anleihen. Hier verwalten wir rund 2,5 Mrd. Euro. Eines ist uns dabei wichtig: wir investieren nur in klassische Produkte, also Aktien, Unternehmensanleihen und Cash. Derivate nutzen wir nur zur Absicherung von Zinsrisiken oder bei Aktien. In der Tat gibt es seine große Zahl an Mischfonds in Europa. Allerdings investieren nur eine vergleichsweise geringe Anzahl von Fonds mit Hilfe klassischer Investmentinstrumente in Unternehmen und hat dabei einen klaren Track Record mit Outperformance wie der Echiquier Arty, der die Benchmark sechs mal in den vergangenen sieben Jahren übertreffen konnte. finanzwelt: Bitte skizzieren Sie kurz Ihre Investmentphilosophie? de Berranger: Echiquier Arty ist ein europäischer Mischfonds, den wir als “Kapitalstruktur-Picker” bezeichnen. Wir fokussieren uns auf den sogenannten relativen Wert in der Kapitalstruktur einer Bilanz. Das Investmentteam evaluiert laufend, welche Instrumente der Unternehmensfinanzierung aus Rendite-Risiko-Sicht zum Fonds passen: Aktien, Senior Anleihen, besicherte Anleihen oder nachrangige Schuldverschreibung…oder sogar gar nichts davon? La Financiere de l´Echiquier hat eine lange Historie als Stock-Picker. Das ist quasi unsere DNA, die wir im Echiquier Arty fortführen: wir haben einen ganz tiefen Einblick bei den Firmen, an denen wir uns beteiligen. finanzwelt: Seit dem Brexit-Referendum haben Sie Ihren Aktienanteil erhöht. Wo erkennen Sie aktuell länderspezifisch und branchenbezogen die lukrativsten Möglichkeiten? de Berranger: Die Flexibilität auf der Aktienseite ist eine der großen Stärken des Fonds. Wir hatten Anfang Juni vor dem Referendum in weiser Voraussicht unsere Aktienposition teilweise abgesichert. Dadurch hatten wir den Aktienanteil kurzfristig von 32 Prozent auf 22 Prozent reduziert. Nach dem Referendum haben wir den Anteil wieder auf das ursprüngliche Level erhöht. Mitte August hatten wir die Aktienquote allerdings aus technischen Gründen – der Eurostoxx 50 berührte die Marke von 3050 Punkten – erneut auf 27 Prozent reduziert. Bei La Financiere de l`Echiquier haben wir eine stark verankerte “Stockpicking-Kultur”, in der wir unsere Portfolios hauptsächlich mittels Bottom-up Analyse bauen, aber gleichzeitig die übergeordnete Asset Allocation aufgrund von Top-down-Bewertungen steuern. Wir machen nur wenige reine Länder- und Sektoren-Entscheidungen. Der tiefe Blick ins Unternehmen bringt mehr. finanzwelt: Telekommunikations- und Finanztitel machen bei Ihrem Aktienanteil insgesamt rund 33 Prozent aus. Wie stehen Sie insbesondere zu Bankwerten? de Berranger: Ein Hinweis vorab: der Echiquier Arty ist derzeit mit 7,2 Prozent bei Bankenaktien untergewichtet. Jedoch haben wir mit 9,1 Prozent ein leichtes Übergewicht an Versicherungsaktien. In Verbindung mit 1,5 Prozent an Immobilienwerten macht das rund 18 Prozent im Finanzsektor. Der letzte Bankenstresstest wurde bekanntlich Ende Juli veröffentlicht. Wir – und die Aufsichtsbehörden auch – glauben, dass die Banken deutlich besser als in der Vergangenheit kapitalisiert sind und weniger risikoreiche Assets in der Bilanz haben. Allerdings haben unter anderem die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt Druck auf die Profitabilität ausgeübt. Aufgrund dieser Unsicherheiten ist der Sektor relativ volatil. Dennoch halten wir an unseren Positionen und dem aktuellen Rendite-Risiko-Profil fest. Wie schon erwähnt, ist der Echiquier Arty bei Bankaktien untergewichtet. Aktuell finden sich nur Société Générale und Crédit Suisse im Portfolio. Allerdings halten wir einige Anleihen von nationalen Champions wie französische Banken, BBVA, Unicredit und Intesa Sanpaolo. finanzwelt: Auf 1-Jahressicht ist die Wertentwicklung Ihres Fonds (Stichtag 31.07.) im Vergleich zum Index eher unterdurchschnittlich. Wie kam es dazu? de Berranger: Auf 1-Jahres-Basis sind wir in der Tat leicht hinter der Benchmark. Allerdings: im Gesamtjahr 2015 war die Wertentwicklung gleich der Benchmark. Im laufenden Jahr 2016 liegen wir wieder vorne. Der Grund für die kleinere Schwächephase in 2015 war, dass die zweite Jahreshälfte per se herausfordernd war und unser Exposure bei Anleihen von Minenbetreibern die Performance belastet hat. Allerdings blieben wir bei unseren Überzeugungen und hielten die Positionen bis ins zweite Quartal 2016. Deswegen haben wir nun deutlich aufgeholt und liegen nun auf 3- und 5-Jahresbasis vor der Benchmark. Das heißt: seit Auflage haben wir nun eine annualisierte Performance von 5,1 Prozent. finanzwelt: Zuletzt haben Sie Ihr Vertriebsteam für den deutschen Markt erweitert. Wie werden Sie hierzulande wahrgenommen? de Berranger: Der deutsche und österreichische Markt ist für uns sehr wichtig. Das kürzlich eröffnete Büro in Frankfurt unterstreicht das. Seit 2007 haben wir kontinuierlich unsere hiesige Präsenz und unser Standing im Whole-Sale-Segment ausgebaut, indem wir unser Erfolgsrezept aus den letzten 25 Jahren in Frankreich auch hier angewandt haben. Mit der Verpflichtung von Markus Alefelder beginnen wir nun auch, den institutionellen Bereich stärker abzudecken. Der deutsche und österreichische Markt ist offen für neue Experten. Aufgrund unserer Historie haben wir uns als Experten im Bereich des europäischen Stock-Pickings, besonders bei Small- und Mid-Caps positioniert. Diesen erfolgreichen Ansatz haben wir in den letzten 10 Jahren kontinuierlich in die Bereiche Anleihen-, Misch- und Wandelanleihenfonds übertragen. Hier haben wir den gleichen disziplinierten, fokussierten und Performance-getriebenen Ansatz wie bei Aktienfonds umgesetzt.