Künstliche Intelligenz in der Vermögensanlage

Stefan Wallrich, Vorstand Wallrich Wolf Asset Management AG/ Foto: © Wallrich Wolf Asset Management AG

Sprach- und Gesichtserkennung, smarte Lautsprecher, autonomes Fahren oder digitale Assistenten. In vielen Bereichen des täglichen Lebens kommt der künstlichen Intelligenz eine kontinuierlich wachsende Bedeutung zu. Auch in der Vermögensverwaltung übernehmen Computer immer mehr „intelligente Aufgaben“ und haben den Menschen dank stark gestiegener Rechnerleistung auf verschiedenen Feldern bereits deutlich hinter sich gelassen.

Bei Künstlicher Intelligenz (KI) handelt es sich zunächst einmal um ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens befasst. Der Begriff ist insofern nicht eindeutig abgrenzbar, als es bereits an einer genauen Definition von Intelligenz mangelt. Laut Wikipedia bezeichnet Künstliche Intelligenz, im Englischen artificial intelligence, den Versuch, einen Computer so zu programmieren, dass er eigenständig Probleme bearbeiten kann (schwache KI). Das menschliche Denken soll in Einzelbereichen unterstützt werden – wobei die Fähigkeit zu lernen ein Hauptbestandteil des Systems sein muss.

Robo-Advisory – Digitale Vermögensverwalter

Derartige Systeme halten dank gestiegener Rechnerleistung inzwischen auch Einzug ins Asset Management. Ein hierzulande noch recht junges, in den Medien aber relativ präsentes Feld ist der Einsatz so genannter Robo-Advisor. Unter Robo-Advisorn versteht man intelligente Systeme, die unter Einsatz von Algorithmen ohne menschliche Beteiligung Anlageempfehlungen für ein optimiertes Portfoliomanagement aussprechen, beziehungsweise diese auch gleich umsetzen.

Hierfür beantwortet der Anleger am Computer zunächst einige Fragen, die sich unter anderem auf seine finanziellen Verhältnisse, den Anlagehorizont oder die Risikoneigung beziehen können. Anschließend erhält er Vorschläge zur Depotumsetzung (Self-Service). In der Full-Service-Variante machen die „Robos“ nicht nur Anlagevorschläge und vermitteln das Portfolio, sie verwalten das Depot danach auch eigenverantwortlich. Der Zugang zu den unterschiedlichen Assetklassen erfolgt meist über Investitionen in Exchange Traded Funds (ETF).

Umschichtungen finden entweder permanent oder im Rahmen turnusmäßiger Überprüfungen statt, sofern sich die vorgegebene Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen verschoben hat. Bei einigen Anbietern erfolgen auch Anpassungen an die Marktlage und es kommen zum Teil sogar Risikomanagement-Technologien zum Einsatz. Menschliche Emotionen – und hier liegt sicherlich ein Vorteil der Robo-Advisor – werden bei dieser Art der Geldanlage konsequent ausgeblendet.

Deep-Learning-Modellen

Ein weiterer Bereich der Vermögensanlage, in dem Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, ist die computerbasierte Optimierung einzelner Anlagestrategien. Stark verkürzt wird dem Computer hierbei „aufgegeben“, in historischen Daten, bei denen es sich beispielsweise um Kurs-, Umsatz- und Volatilitätszeitreihen, Unternehmens- oder Bewertungskennziffern handeln kann, bestimmte Muster zu erkennen und aus diesen unter Vorgabe von Rahmenbedingungen für das jeweils aktuelle Marktszenario konkrete Investitionsentscheidungen abzuleiten.

Dabei passen die Programme die Regeln, die sie sich in letzter Konsequenz selbst geben, immer wieder an neue Bedingungen wie etwa das Börsenumfeld an. Diese Art des sogenannten Deep Learning ist zwar nicht grundsätzlich neu. Die mit ihr erzielten Ergebnisse werden aber immer besser – insbesondere durch gestiegene Rechenleistung sowie verbesserte Lernmethoden.

KI auf hauseigene Strategie angewendet

Dies macht sich unter anderem auch die Wallrich Wolf Asset Management AG zu Nutze. Auf unsere seit vielen Jahren bewährte „Prämienstrategie“ haben wir mit Hilfe des Mainzer IT-Spezialisten Marcel Heintz einen komplexen Computeralgorithmus aufgesetzt. Dieser arbeitet mit einer Mischung aus Backtesting und der oben beschriebenen Art der Künstlichen Intelligenz (Mustererkennung).

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