Kehraus

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Altersarmut ist schon jetzt weit verbreitet, allen abwiegelnden Aussagen aus Berlin zum Trotz. Und dass an umfangreicher privater Vorsorge kein Weg vorbeiführt, muss nicht erst in Stein gemeißelt werden. Es stellt sich aber die Frage nach dem „Wie“. Ist die klassische Privatrente überhaupt noch viel wert? In einer neuen Produktwelt findet der Vertrieb reichlich Antworten.

Wenn es im Bundestagswahlkampf 2017 das eine große Thema gibt, dann ist es die Rente. Große finanzielle Lücken tun sich schon heute bei Mio. Ruheständlern auf und sie werden künftig noch größer. Eine Arzthelferin beispielsweise kommt nach 40 Jahren Berufstätigkeit kaum über das Niveau der staatlichen Grundsicherung hinaus. Massiv fallen deshalb derzeit Forderungen aus, das Rentenniveau zu stabilisieren oder gar zu erhöhen. Eine noch höhere Finanzierung aus Steuermitteln ist undenkbar, schon heute fließen auf diesem Weg rd. 90 Mrd. Euro jährlich. Insofern sind alternative Optionen gefragt. Das Ganze aber über Beitragserhöhungen zu finanzieren, könnte fatale Folgen haben. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) würde 1 Prozentpunkt Beitragsplus 60.000 bis 80.000 Arbeitsplätze vernichten. Eine geradezu ausweglose Lage also für künftige Rentnergenerationen – wenn sie nicht endlich damit beginnen, das Heft über eine ausreichende private Vorsorge selbst in die Hand zu nehmen. Doch es steht die Frage nach dem „Wie“ prominenter im Raum als je zuvor.

Ein Klassiker hat ausgedient?

Die schon eine gefühlte halbe Ewigkeit dauernde Niedrigzinsphase hat die Kräfte der Lebensversicherer arg angegriffen – so scheint es zumindest. Und vor dem Hintergrund von Solvency II erheben viele Unternehmen auch keinen Widerspruch, wenn von interessierter Seite die Zeit klassischer Produkte für abgelaufen erklärt wird. Dabei sind solche Aussagen angesichts der Realität eine Farce, daran ändert auch die angekündigte nächste Absenkung des Höchstrechnungszinses nichts. Ihr zugrunde liegen schließlich Langfristwerte aus der Zeit nach der großen Finanzkrise 2008. Die laufende Verzinsung der Sparbeiträge (nach Kosten) einer in diesem Jahr neu abgeschlossenen Rentenversicherung liegt im Branchenschnitt bei 2,86 %, die Gesamtverzinsung inkl. Schlussüberschüsse bei 3,56 %. Dennoch stehen auch in der privaten Rentenversicherung die Zeichen auf Veränderung. Neue Produkte ohne weitreichende Garantiezusagen in der Beitragszahlungsphase erobern den Markt, einige Unternehmen haben sich bereits vollständig von der klassischen Altersvorsorge getrennt. Am Ende sollen höhere Auszahlungen stehen, doch in weiten Kreisen der Bevölkerung und auch bei so manchem Verbraucherschützer stoßen diese Modelle wie auch direkte Fondsanlagen noch auf Skepsis. Tobias C. Pross, Head of EMEA Allianz GI, äußert dafür zwar Verständnis, warnt aber: „Es ist vollkommen legitim und menschlich, dass das Gefühl der Sicherheit für die erworbenen Rentenansprüche emotional oberste Priorität hat. Ein guter Ratgeber für die langfristige und effiziente Kapitalanlage ist es aber nicht.“

Die nächste Generation

Dass ein schlagkräftiger Vertrieb die neue Generation von Rentenpolicen dennoch bestens platzieren kann, beweist einmal mehr die Allianz. Bei ihr ersetzen Vorsorgekonzepte mit neuen Garantien zunehmend die konventionellen Produkte. Vom im Sommer 2013 auf den Markt gebrachten Vorsorgemodell »Perspektive« wurden bis November 2015 knapp 172.000 Verträge verkauft. Markus Faulhaber, Vorstandschef des Unternehmens, ist sich deshalb sicher: „Perspektive ist der neue Klassiker.“ In der Niedrigzinsphase hätten sicherheitsorientierte Kunden die Chance auf eine attraktive Rendite, ohne dabei auf wesentliche Sicherheiten für ihre Altersvorsorge verzichten zu müssen. Entsprechend liegt das neue Produkt 2016 bei einer Gesamtverzinsung von 4 %, während die »Klassik« beim Stuttgarter Anbieter 3,7 % erreicht. Dabei richtet sich das Augenmerk etlicher Lebensversicherer verstärkt auf Indexpolicen. Die Stuttgarter etwa hat im Januar dieses Jahres »index-safe« eingeführt. Die Sparbeiträge fließen in das Deckungskapital, alle eingezahlten Beiträge stehen zum Rentenbeginn garantiert zur Verfügung. Von Chancen profitieren die Sparer, indem sie sich mit den jährlichen Überschüssen an der Wertentwicklung des Stuttgarter »M-A-X Multi-Asset Index« beteiligen. Ralf Berndt, Vorstand Vertrieb und Marketing des Unternehmens, sieht sich mit dem neuen Angebot in der richtigen Spur: „index-safe ist eine renditestarke Vorsorge mit einem hohen Maß an Sicherheit – genau die Kombination, nach der die deutschen Altersvorsorge-Sparer angesichts niedriger Zinsen verlangen.“ Auch die Barmenia spielt auf diesem Feld mit. Rund einen Monat nach dem schwäbischen Konkurrenten stellte sie ihre »PrivatRente« Index vor. Im Kern handelt es sich dabei um eine Police, bei der eine Beteiligung an der Wertschöpfung eines oder von 2 Aktienindizes möglich ist – basierend auf dem DAX oder dem Euro Stoxx 50. Denkbar ist aber auch eine Kombination aus Indizes und sicherer Anlage oder einer ausschließlich sicheren Verzinsung. Vertriebsvorstand Frank Lamsfuß hierzu: „Kaum eine Rentenversicherung am Markt ermöglicht so viel Flexibilität und Optionen.“ (hwt)   (Private Rentenpolicen / finanzwelt 03/2016)