Karatbars klärt auf: Was versteckt sich hinter dem London Bullion Market?

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„Der Wert des Goldes als Währung ist ein abstraktes soziales Konstrukt. Trotzdem ist sein Wert real.“ Diese herrlich philosophische Aussage treffen die beiden amerikanischen Bestseller-Autoren Michael Casey und Paul Vigna in ihrem 2015 erschienenen Buch „Crypto Currency. Wie virtuelles Geld unsere Gesellschaft verändert.“ Auf dem mitunter speziellen Goldmarkt kann es jedoch ausgesprochen irreal zugehen, wie Karatbars-CEO und -Gründer Harald Seiz erklärt: „Dort wird tatsächlich sehr viel konstruiert. Am Ende ist der Wert des Goldes aber seit Jahrtausenden eine unumstößliche Realität“, sagt er im Gespräch mit uns.

Der Preis des Goldes wird dabei auf dem offenen Markt bestimmt – seit dem 17. Jahrhundert in London. 1919 dann etablierten nur fünf Banken ein tägliches Ritual, bei dem der Goldpreis festgelegt wird:. Jeden Tag um 10.30 Uhr haben sich die Vertreter in der Rothschild-Bank getroffen zum Goldfixing getroffen. 1968 kam ein weiteres Treffen um 15 Uhr hinzu, um zur Öffnungszeit der US-Börsen erneut den Markt abzubilden. 2015 wurde dieses traditionsreiche, aber auch antiquierte Vorgehen neu reguliert. „Gründe hierfür waren unter anderem die Preismanipulationen. Bei einem solch intransparenten Prozess von nur einer handvoll Banken war das nicht weiter verwunderlich“, urteilt Seiz.

Zwei Mal täglich beteiligt sich heute ein Dutzend internationaler Banken an der Festsetzung des LBMA Gold Price in US-Dollar – jedoch nur noch elektronisch. „Über einschlägige Business-Fernsehprogramme kann man den Prozess verfolgen. Das Fixing ist also recht transparent geworden“, weiß der Karatbars-Chef. Hierzu schlägt der Vorsitzende einen Preis vor, worauf Käufer und Verkäufer die Goldmengen angeben, die sie zu diesem Preis kaufen oder veräußern wollen. Stimmen diese Mengen überein, gilt der eingangs aufgerufene Preis – zu dem dann alle eingespeisten Kauf- und Verkaufsorders ablaufen, der sogenannte Benchmark Price. Sind die Kauf- und Verkaufsvolumina aber nicht ausgeglichen, wird der Preis herauf- oder heruntergesetzt, je nachdem, wie sich Angebot und Nachfrage zueinander verhalten haben.

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