Freude über die SNB-Gewinne ist von kurzer Dauer

Ursina Kubli,, Ökonomin, Bank J. Safra Sarasin AG / Foto: © J. Safra Sarasin AG

Bund und Kantone dürfen sich freuen. Das provisorische Jahresergebnis der SNB zeigt einen Jahresgewinn von circa 24 Milliarden Franken, was eine Ausschüttung an Bund und Kantone von rund 1,5 Milliarden. Franken erlauben wird. Bemerkenswert ist, dass die Fremdwährungspositionen mit 19 Milliarden Franken den grössten Beitrag zu dem guten Jahresergebnis beigetragen haben, getragen von kräftigen Kursgewinnen bei Obligationen und Aktienmärkten sowie Zins- und Dividendenerträgen. Damit dürfte der innenpolitischen Druck gegen die Währungsinterventionen der SNB vorläufig abnehmen. Dennoch wird die SNB in einer unkomfortablen Situation bleiben.

Die Bilanz der SNB wird zukünftig hohen Wertschwankungen unterliegen. Die Devisenreserven betragen mehr als 680 Milliarden Franken, was rund 100% des Schweizer BIP entspricht. Kursschwankungen bei Währungen, Obligationen und Aktien führen damit rasch zu zweistelligen Gewinnschwankungen. Die innenpolitische Stimmung gegenüber den Währungsinterventionen kann auch rasch wieder kippen.

Aussenpolitisch sind die Deviseninterventionen der SNB hingegen verstärkt in den Fokus geraten, nachdem das US-Finanzministerium im Oktober 2016 die Schweiz auf die Liste möglicher Währungsmanipulatoren aufnahm. Ein genauer Blick auf die Entwicklung der SNB Bilanz zeigt, dass die SNB mehr oder minder das ganze Jahr hindurch aktiv an den Devisenmärkten intervenierte. Die SNB hatte keineswegs nur auf unvorhergesehene, ausserordentliche Marktturbulenzen wie zum Beispiel das Brexit-Referendum im Juni 2016 oder den Wahlsieg von Donald Trump im Dezember 2016 reagiert. Auch in der restlichen Zeit sind die Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB angestiegen, im wöchentlichen Durchschnitt um beachtliche 1,2 Milliarden Franken.

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