“Draghi muss nachlegen!”

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Otmar Lang, Chefvolkswirt Targobank

Die Bank von England hat es vorgemacht: Erst einmal abwarten und schauen, was passiert. Die überraschende Ruhe an den Finanzmärkten gibt auch der EZB Luft. Nicht einmal die italienische Bankenmisere hat Auswirkungen; entgegen den Erwartungen sinken die Renditespreads zwischen Deutschland und Italien.

Trotzdem wird die EZB handeln müssen. Denn es gibt kaum Aussicht auf eine Wachstumsbelebung im kommenden Jahr. Infolgedessen wird das Quantitative Easing- Programm verlängert. Aber kann die Fortsetzung der expansiven Geldpolitik der EZB wirklich mehr bewirken als bisher?

Kommt der Paukenschlag?

Ein Paukenschlag wäre die Verlängerung des Programms um ein Jahr und die Aufgabe aller Laufzeitbeschränkungen samt der aktuellen Zinsuntergrenze von minus 0,40 Prozent für den Anleiheankauf. Das hätte eine Rallye an den Rentenmärkten zur Folge. Aber noch wichtiger: Der Euro könnte sich massiv abschwächen. Dadurch würden nicht nur die Inflationserwartungen steigen, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exportwirtschaft. An beidem ist der EZB gelegen.

Keine Zeit für Zurückhaltung

Mario Draghi hat schon in der Vergangenheit so manche radikale Lösung präsentiert. Es ist jetzt auch nicht die Zeit für Zurückhaltung. Es wäre daher nur konsequent von ihm, bei seinem Therapieansatz jetzt gründlich nachzulegen. Ein Weniger würde wahrscheinlich nur für das Halten des Status quo reichen und weder Wachstumsschwäche noch Deflationsdruck nachhaltig beseitigen. Die Bank von Japan, die über eine „milde“ Form von Helikopter-Geld nachdenkt, ist da gedanklich schon weiter: Sie erwägt den Ankauf von ewig laufenden Staatsanleihen zur Finanzierung von Steuersenkungen und Infrastrukturprogrammen. Die Japaner könnten die EZB in ihren Gedankengängen beflügeln. Im September wissen wir mehr.

Ein Vorabkommentar von Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK, anlässlich der EZB-Sitzung am 21. Juli

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