Digitale Tulpenzwiebeln oder alternatives Geld?

Dr. Thomas Heidel, Leitung Research Fidal AG / Foto: © Fidal AG

In den letzten Monaten des Jahres hat sich eine Spekulationshysterie rund um Kryptowährungen wie Bitcoin oder anderen Nachfolgern wie Ethereum und Ripple entwickelt. Der Marktwert aller Cyber-Währungen beträgt aktuell ungefähr 500 Mrd. US-Dollar. In der Schweiz ist Bitcoin zum Finanzwort des Jahres 2017 gekürt worden.

Die Bitcoin-Spekulationshysterie wird oft mit der Tulpenmanie in den Niederlanden in der Zeit von 1630 bis 1637 verglichen. Die teuerste Tulpenzwiebel aller Zeiten, die Semper Augustus, wurde 1637 für 10.000 Gulden gehandelt, was damals dem Preis für eins der teuersten Häuser an der Amsterdamer Gracht entsprach. Trotz der noch jungen Bitcoin-Geschichte gab es schon einige Skandale. Der Größte war Anfang 2014 der Konkurs der einst größten globalen Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox, wo auf mysteriöse Weise 850.000 Bitcoins verschwanden.

Mit der Einführung von Handelskontrakten durch die US-Terminbörsen CME und CBOE Mitte Dezember hat der Bitcoin Einzug in die hochoffizielle Finanzwelt gehalten. Die Deutsche Börse denkt über eine Handelseinführung nach. Man fragt sich, ob die Bitcoin-Blase anhalten oder bald zusammenbrechen wird und ob durch Kryptowährungen das Finanzsystem gefährdet ist.

Der Bitcoin entstand aufgrund der Idee, unabhängiges virtuelles Geld zu erschaffen, welches nicht ungehindert durch staatliche Geldpolitik oder durch die Geldschöpfung des privaten Bankensektors vermehrt und daher im Wert beeinträchtigt werden könnte.

Kryptowährungen dienen allerdings auch für kriminelle Geschäfte und zur Umgehung staatlicher Beschränkungen des Kapitalverkehrs. Damit zielen Cyber-Währungen in letzter Konsequenz auf die Abschaffung von Zentralbanken bzw. bedrohen die Souveränität der Staaten. Die Begrenzung des Bitcoins auf maximal 21 Millionen Stück (aktueller Umlauf 16,8 Mio. Stück) sollte eine Alternative zum „Papier-Geld“ der Zentralbanken bieten.

Allerdings bleibt der Wert von Geld nur konstant, wenn im Zeitablauf die Wachstumsrate der realen Gütermenge der Wachstumsrate der Geldmenge entspricht, das heißt bei Wirtschaftswachstum müsste der Bitcoin im Wert steigen. Ein weiteres Bitcoin-Problem ist, dass sich laut Bloomberg ca. 40 Prozent aller vorhandenen Bitcoins in den Händen von nur rund 1.000 Investoren befinden; eine Geldherrschaft von Wenigen? Aufgrund der mittlerweile extrem hohen Rechnerleistung, die bei der Herstellung von Bitcoins benötigt wird, soll der Elektrizitätsverbrauch der Bitcoin-Gemeinde dem von ganz Dänemark entsprechen.

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