Richtige Würze für ein strukturiertes Indien

vom Schemm Guido - gross.jpg
Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH / Foto: © GVS

In Indien finden Investoren aktuell ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum von über 7 Prozent im Jahr. Eine Steuerreform wird für ein noch stärkeres Wachstum sorgen. Wie können Anleger diese glänzenden Aussichten jedoch für den eigenen Geldbeutel nutzen?

Der indische Ministerpräsident Modi brachte im September einen Gesetzesentwurf zu einer in ganz Indien einheitlichen Steuer auf Waren und Dienstleistungen – der Goods and Services Tax – formal auf den Weg. Bislang werden unzählige einzelne Staats- und Nationalsteuern auf eine Reihe von Gütern und Dienstleistungen erhoben. Nach zähen Verhandlungen zwischen den großen Parteien des Landes und der Bundesstaaten, würde diese Reform das indische Steuersystem entscheidend vereinfachen und der indischen Wirtschaft zusätzlich auf die Sprünge helfen.

Die Reform könnte Handelsbarrieren im Inland und mit dem Ausland abbauen, unnötige Kosten entfallen und ein langfristig noch stärkeres Wachstum wäre möglich. Noch ist aber nichts definitiv entschieden. Einige Regionalparlamente müssen die Reform noch absegnen, was nach Einschätzung zahlreicher Experten aber nur eine reine Formalität sein dürfte.

Bereits jetzt weist der Subkontinent ein starkes Wirtschaftswachstum auf. Im zweiten Quartal 2016 konnte eine aufs Jahr hochgerechnete Wachstumsrate von 7,1 Prozent erzielt werden. Doch das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Nach Schätzung des japanischen Brokerhauses Nomura wird allein diese Reform das Wirtschaftswachstum auf mittlere Sicht um bis zu zwei Prozentpunkte zusätzlich befeuern. Diese Steuerreform werde eine positive Wirkung auf viele Industriezweige haben und könnte somit auch den Aktienmarkt anheizen.

Neben der Steuerreform senkt die indische Regierung auch die Schranken für Direktinvestitionen. In vielen Branchen dürfen Ausländer erstmals die Mehrheit an Unternehmen erwerben. Dieser Vorteil wird ausländische Großinvestoren anlocken.

Privatanleger sollten spätestens jetzt am Wandel Indiens partizipieren. Leider ist der Direkteinstieg am indischen Aktienmarkt ausländischen Privatanlegern weitestgehend verbaut. Der indirekte Weg über in New York oder London gelistete Zertifikate ist teuer. Zudem werde diese Zertifikate, die stellvertretend für eine Aktie stehen, mit hohem Aufschlag gegenüber deren Heimatkursen gehandelt.

Somit bieten sich Fonds oder ETFs an. Hier gibt es mittlerweile auch eine große Auswahl an Fonds, welche nur in Indien investieren. Dem Anleger sollte aber bewusst sein, dass er nach wie vor in ein Schwellenland investiert. Wer jedoch den nötigen Risiko- und Chancenhunger sowie Atem mitbringt, auf den Subkontinent zu setzen und auch Schwächephasen auszuhalten, hat durchaus Chancen auf eine sehr attraktive Wertentwicklung.

Kolumne von Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH