Solvency II begünstigt große Versicherer

09.08.2015

Die neuen EU-Richtlinien begünstigen gute diversifizierte, große Erst- und Rückversicherer. Sie erweitern deren bilanzielle Gestaltungsmöglichkeiten. Ein qualifiziertes Rating ersetzen sie nicht.

2015-08-10 (fw/db) Die Umstellungen bei den Rück- und Erstversicherer auf Solvency II führen zu einer erhöhten Volatilität im Vergleich zu Solvency I, so erhalten die Unternehmen mehr bilanzielle Gestaltungsmöglichkeiten. Zusätzlich sind jetzt auch interne Rechnungsmodelle aufsichtsrechtlich genehmigungsfähig.

„Mit unserem internen Kapitalmodell können wir, anders als mit einem Standardmodell, die Risikostruktur unseres Rückversicherungsgeschäfts bestmöglich abbilden und so auch unsere aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen im Rahmen von Solvency II weiterhin effizient umsetzen“, erklärte Ulrich Wallin, Vorstandsvorsitzender der Hannover Re (finanzwelt 7.8.2015).

„In jedem Fall wird die Solvency-II-Regulierung aufgrund des zugrunde gelegten Ansatzes einer Marktwertbilanz im Vergleich zu Solvency I zu einer erhöhten Volatilität führen“, konstatierte die Allianz SE bei der Vorlage ihrer Geschäftsergebnisse (finanzwelt 7.8.2015).

Aktuell liegt die Kapitalbedeckungsquote (Solvabilität) der Münchener Allianz SE bei 212 Prozent (Solvency II). Zum Jahresende 2014 lag sie noch bei 191 Prozent, Ende 2013 waren es 222 Prozent. Die Eigenmittel der Allianz stiegen von 2013 bis 2014 um 21 Prozent auf knapp 61 Milliarden Euro. Das ist auch ein Ziel der EU-Vorschriften. Die Bruttoprämien-Umsätze stiegen im gleichen Zeitraum nur um zirka zehn Prozent. Die Solvenzquote sank von 2013 auf 2014 sogar leicht von 182 auf 183 Prozent.

Größer ist der Unterschied beim Rückversicherer Hannover Re, die das Geschäft sehr stark diversifiziert. Die Solvenzquote nach Solvency I lag Ende 2014 bei 136 Prozent. Nach Solvency II erreicht die Hannover Rück-Gruppe 250 Prozent des aufsichtsrechtlich geforderten Mindestkapitals. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat jetzt das interne Modell der Hannoveraner genehmigt. Dieses Modell verwenden die Hannoveraner bereits seit mehreren Jahren.

Die Kapitalbedeckungsquote (Solvabilität) liegt zum 31.12.2014 nach den zukünftigen Solvency II-Regeln für die Hannover Rück-Gruppe komfortabel bei über 250 Prozent.

Dietmar Braun