Entscheidend sind Höhe und Planbarkeit von zukünftigen Cashflows

05.09.2023

Marcel Maschmeyer, Vorstand und Gesellschafter der Paladin Asset Management InvAG

Das Börsenklima im bisherigen Jahresverlauf war vielversprechend. Vielleicht sogar zu gut, um wahr zu sein. Die kommenden Monate könnten holpriger und volatiler verlaufen. Marcel Maschmeyer, Vorstand und Gesellschafter der Paladin Asset Management InvAG, ging im finanzwelt-Interview Anfang Juli auf die zentralen Fragen der Zeit und die Investmentstrategie des Flaggschifffonds ein.

finanzwelt: Halbzeit im Jahr 2023. Der DAX notiert über der 16.000er Marke; andere Indizes stehen ebenfalls im Plus. Man könnte meinen, alles sei in bester Ordnung. Täuscht der Eindruck?

Marcel Maschmeyer» Mit Blick auf die allgemeine Gemengelage ist die Multi-Krise weiterhin in vollem Gange. Der Ukraine-Krieg tobt weiter, die Zinsen steigen und die Inflation ist noch nicht in dem Maße zurückgekommen, wie viele sich das angesichts der gestiegenen Zinsen erhofft hatten. Aber es gibt auch Lichtblicke – gerade bei den Energiepreisen. Auch die Annahme einer harten Rezession hat sich bisher nicht erfüllt. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass monetäre Bremsmaßnahmen erst mit einer zeitlichen Verzögerung konjunkturell wirken. Wir erleben eine Wirtschaftsflaute, wenn auch nicht mit jener extremen Intensität.

finanzwelt: Sie sind mit Ihrem Flaggschiff Paladin ONE bereits seit knapp zehn Jahren auf dem Markt. Bitte erläutern Sie uns die Investmentphilosophie des Fonds.

Maschmeyer» Gerne. Der Paladin ONE fußt auf drei fundamentalen Säulen: Value-Aktien, Sondersituationen und Liquidität. Damit bleibt der Fonds in turbulenten Phasen dementsprechend robust. Er ist ein Baustein für konservativere Anleger, mit vergleichsweise hohen Renditen bei angemessenem Risiko. Diese drei Bausteine speisen den Fonds und seine Zusammensetzung aus im Schnitt rund 25 Aktien mit Fokus auf Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Ein sehr konzentriertes Portfolio aus unseren besten Ideen.

finanzwelt: Wie wichtig ist die Liquidität-Position?

Maschmeyer» Sie ist zentral. Wir halten bewusst eine hohe Cash-Quote von im Schnitt 20 % vor. Diese Einkaufsreserve gibt uns Raum, Opportunitäten wahrzunehmen, wenn sie sich bieten.

finanzwelt: Sie legen im Fonds den Schwerpunkt auf die kleineren Werte. Dickschiffe findet man nicht.

Maschmeyer» Absolut. Small-/Mid-Caps können historisch mehr Performance aufweisen. Doch unterwegs schwanken sie mitunter stärker. Kleinere Unternehmen passen sich dem Wandel der Zeit schneller an, agieren zügiger und haben meist spitzere Geschäftsmodelle. Die Vielzahl der möglichen Investments erlaubt eine kluge Diversifikation der Risiken, ohne dabei die Chancen zu verwässern. Was letztlich zählt, sind Höhe und Planbarkeit von zukünftigen Cashflows. Diese müssen in einem günstigen Verhältnis zum heutigen Preis stehen.

finanzwelt: Wo werden Sie besonders fündig?

Maschmeyer» Regional setzen wir mit zwei Dritteln auf deutsche Aktien, nehmen aber auch Werte aus dem benachbarten Ausland in unser Portfolio auf. Sektoral werden wir vor allem in den Bereichen Medizin, erneuerbare Energien und Technologie fündig. Hier finden wir so manche Hidden Champions, also Unternehmen, die in lukrativen Nischen unterwegs sind und über das Potenzial verfügen, sich aus eigener Kraft weiterzuentwickeln.

finanzwelt: Neben dem Paladin ONE sind Sie seit knapp einem Jahr auch mit dem Paladin ORIGINS auf dem Markt. Wo liegt das Unterscheidungsmerkmal?

Maschmeyer» Während der Paladin ONE vor allem auf Small-und Mid-Cap-Titel setzt, umfasst das Anlageuniversum des 2022 gestarteten Paladin ORIGINS in erster Linie europäische Micro-Caps. (ah)