Einigungen bedürfen Genehmigungen

14.07.2015

Zwei Entscheidungen beschäftigen die Welt derzeit – die Übereinkunft über ein drittes Hilfspaket für das zahlungsunfähige Griechenland und das nach zwölf Jahre langem Ringen endlich geschnürte Vertragspaket der internationalen Staatengemeinschaft mit dem Iran zur Begrenzung seiner Atomaktivitäten, um den Bau einer Atomwaffe zu verhindern.

Beide Entscheidungen haben unmittelbare Marktauswirkungen. Die internationalen Aktienmärkte haussierten stark ob der Tatsache, dass die große Unsicherheit einer endgültigen Staatspleite innerhalb der Eurozone mit allen unabsehbaren Folgen vom Tisch ist, und der Ölpreis setzte wieder zu seinem vor einem Jahr begonnenen Sinkflug an, da mit dem Iran nun wieder ein mächtiger Anbieter von großen Mengen günstig gefördertem Rohöl den Markt betritt.

Doch noch ist die Welt nicht so rosig, wie sie erscheinen mag. Denn es müssen noch einige parlamentarische Hürden genommen werden, die relativ hoch angesiedelt sind. In Griechenland kämpft Ministerpräsident Tsipras um Unterstützung der Opposition für die Umsetzung der harten Sparmaßnahmen, da weite Teile seiner eigenen Partei sich wohl verweigern werden.

In den USA wird die republikanische Partei im Senat und Kongress versuchen, das jüngste Abkommen mit dem Iran zu torpedieren und abzulehnen. Präsident Obama hat angekündigt, dies mit seinem Vetorecht zu kontern. Leider scheinen aber auch in den USA den Präsidenten Teile seiner eigenen Partei im Stich lassen zu wollen, sodass es letztendlich spannend bleibt, ob das Iran-Abkommen tatsächlich in den USA ratifiziert wird.

Der von Regierungsmaßnahmen unterbrochene Aktiencrash in China scheint einigermaßen verarbeitet zu sein, sodass bei erfolgreichem parlamentarischem „Durchwinken“ oben genannter Verträge den internationalen Aktienmärkten durchaus ein ruhiger Sommer beschieden sein dürfte. Ein günstiger Ölpreis und der moderat niedrige Euro-Kurs stützen die Wirtschaft. Bleibt noch das Hin und Her um den Zeitpunkt der US-Leitzinserhöhung, der je nach Wirtschaftsdatenlage vor- oder zurückgeschoben wird. Aber das sind im Vergleich zur vergangenen Woche wirklich kleine Probleme.

Autor: Michael Beck, Leiter Asset Management Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG