Mario Draghi als Knecht Ruprecht

EZB-Präsident Draghi übernahm bei der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank am vergangenen Donnerstag nicht die ihm zugedachte Rolle des Weihnachtsmannes, der Geschenke bringt, sondern eher die des Knecht Ruprechts, der ungezogene Kinder bestraft.

So waren es in keinster Weise restriktive Maßnahmen, die zu der Korrektur am Renten- und Aktienmarkt sowie zu dem Luftsprung des Euro führten, sondern die vollkommen überzogenen Erwartungen von weiteren exzessiven geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen im Vorfeld dieser Sitzung. Letztlich bleibt es bei einer außergewöhnlich stimulierenden Geldpolitik in der Eurozone. Diese wird nun auch flankiert durch die Abkehr von der Sparpolitik in mehr und mehr europäischen Ländern aus unterschiedlichsten Gründen. Auch Deutschland wird durch die Mehrausgaben für den Zuwanderungs- und Flüchtlingsstrom faktisch ein ungeplantes großes Konjunkturprogramm durchführen.

Auf der anderen Seite des Atlantiks fallen immer weiter steigende Zinsen für Unternehmensanleihen, insbesondere im Bereich der bonitätsmäßig schlechteren Papiere, auf. So sehr, dass dort das gewichtige Argument des Anlagenotstandes als Stütze für die hohen Aktienbewertungen mehr und mehr wegfällt. Vorsichtige Umschichtungen aus US-Aktien in US-Unternehmensanleihen sind damit trotz der anstehenden Zinserhöhung am 16. Dezember ratsam.

Autor: Helmut Kurz, Leiter Immobilienaktien / REITs und Makrostrategie Institutional Banking,
Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG