Märkte 2017 politikresistent

Michael Stegmüller / Foto: © Performance IMC Vermögensverwaltung AG

Die ersten drei Monate des Jahres 2017 brachten erfreuliche Ergebnisse mit einem gleichzeitigen globalen Aufschwung in den entscheidenden Volkswirtschaften. Die Daten aus den USA, Europa und den Emerging Markets lieferten ein einhellig positives Bild, wie dies seit vielen Jahren nicht mehr zu beobachten war.

Der bereits bestehende Aufwärtstrend wurde von den US-Börsen unterstützt, wodurch die Europäer, wie lange erwartet, nachzogen. Während zuvor noch die Börsen von einem Wahlevent zum nächsten fieberten, zeigte das erste Quartal 2017, dass die Märkte endlich nicht mehr hauptsächlich von einer oftmals unberechenbaren Politik bestimmt werden. In den nächsten Monaten sollten die insgesamt positiven wirtschaftlichen Daten maßgeblich sein und selbst die wichtige Wahl in Frankreich wird sich aus unserer Sicht als Non-Event erweisen.

Aktien: Bis auf den japanischen Aktienmarkt war die Entwicklung der wichtigsten weltweiten Indizes durchweg positiv in den vergangen drei Monaten. So lieferten die Emerging Markets bessere Ergebnisse als Japan und die USA bessere als Europa. Allerdings sprechen die guten Unternehmenszahlen aus Europa und Japan dafür, dass sich diese Verteilung künftig umkehren könnte und die guten Zahlen die Aktienbewertungen fundamental stützen dürften. Anzeichen für einen Absturz des US-Marktes sehen wir aber bisher nicht, obwohl die Entwicklung dort etwas weniger dynamisch sein wird.

Renten: An den Kapitalmärkten ist endlich ein leichter Zinsanstieg zu beobachten. Das milde Anziehen der US-Inflationsrate schafft weiteren Spielraum, doch insgesamt liegen die Renditen weiterhin auf einem unattraktiven Niveau.

Rohstoffe: Der Ölpreis scheint sich unter anderem wegen der Einigung der OPEC-Staaten in einem für die Wirtschaft akzeptablen Bereich eingependelt zu haben. Wir gehen von einem globalen Wachstum von vier Prozent aus und damit einer leicht steigenden Öl-Nachfrage. Bei einem verknappten Angebot wird dies tendenziell zu höheren Preisen führen, auch wenn das relativ moderate Wachstum nicht für eine explodierende Nachfrage an den Rohstoffmärkten spricht.

Währungen: Der Dollar profitierte in den letzten Monaten von der als moderat wahrgenommenen Ankündigung der amerikanischen Zentralbank FED, die Leitzinsen in drei Schritten anzuheben. Nachdem die EZB aus heutiger Sicht nicht vor 2019 nachziehen will, spricht eine größer werdende Zinsdifferenz langfristig für einen Geldfluss in die amerikanische Währung, die dadurch weiter gestärkt würde.

Das Non-Event – Die Wahlen in Frankreich Im letzten Jahr wurden die Börsen von politischen Ereignissen getrieben. Viele erwarteten für das Superwahljahr 2017 bei jeder Abstimmung das große Zittern der Märkte, vor einem Ende Europas durch EU-feindliche Wahlsieger. Groß war die Erleichterung nach der Wahl in den Niederlanden, dass kein weiterer Überraschungssieg der Europa-Skeptiker gelang. Und die nächste Entscheidung steht schon Ende April an: Gerade die Wahl in Frankreich gilt als Schicksalsvotum, welches die Zukunft der Europäischen Union entscheiden könnte.

Allerdings ist an den Märkten wenig Spannung zu spüren, denn obwohl die Meinungsforscher zuletzt des Öfteren irrten, gibt es hier kaum Zweifel über den Ausgang. Es ist bei Weitem nicht so knapp wie zum Beispiel beim Brexit-Votum. Der wahrscheinlichste Wahlausgang scheint eine Stichwahl zwischen der Rechtspopulistin Marine Le Pen und dem parteilosen Liberalen Emmanuel Macron.

Hier wird allgemein erwartet, dass sich dann Anfang Mai das Gros der moderaten Wähler hinter dem ehemaligen Wirtschaftsminister versammeln wird und er die Wahl mit etwa 60 zu 40 Prozent für sich entscheiden dürfte.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Wahl in Frankreich ein Non-Event an den Märkten wird, ähnlich wie es die Bundestagswahl im September in Deutschland sein dürfte. Denn egal ob der nächste Kanzler Merkel oder Schulz heißt, einen europa- oder handelsfeindlichen Kurs wird es mit keinem von beiden geben. Das gilt auch für den französischen Präsidenten in spe Macron, mit dem beide gut zusammenarbeiten könnten.

Fazit und Ausblick: Wir erwarten in diesem Jahr ein globales Wirtschaftswachstum von vier Prozent und weniger politisch beeinflusste Märkte. Letztendlich wächst die Hoffnung, dass wieder die tatsächlichen Unternehmensergebnisse zur primären Größe an den Börsen werden, die sich gerade in Europa und Japan besonders positiv entwickeln, aber auch in den USA gute Werte erreichen werden.

Trotz der langsamen Zinsanhebungen der FED spricht die global kaum gedrosselte Reflationspolitik der Notenbanken, in Kombination mit den guten Wirtschaftsdaten, für eine Fortsetzung der positiven Marktphase. Selbst eine Reduzierung oder gar ein Scheitern der angekündigten Trump-Projekte, wie zum Beispiel das Infrastrukturprogramm, dürfte in diesem Umfeld nur kurzfristig zu Rücksetzern führen.

Bis zum Halbjahr kann die Rallye noch ohne größere Korrekturen weitergehen, ab dem dritten Quartal könnte es sich lohnen, Gewinne abzusichern.

Marktkommentar von Michael Stegmüller, Vorstand der Performance IMC Vermögensverwaltung AG