Comment zur EZB-Ratssitzung

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Dr. Jan Holthusen

Es wäre vermessen gewesen, heute von der EZB neue Maßnahmen zu erwarten, zumal die im März beschlossenen Punkte noch nicht einmal alle umgesetzt sind.

(fw/ rm) Die EZB hat die Grenzen ihrer Geldpolitik weitgehend erreicht. Theoretisch hat sie zwar noch sehr viel weiter gehende Optionen, wie die Diskussion um das Helikoptergeld zeigt. Doch praktisch und unter Beachtung ihres Mandats ist der Spielraum sehr eng geworden. Vereinzelte Hoffnungen, die EZB könne das Konzept des Helikoptergeldes intensiver diskutieren, haben durch die Äußerungen Draghis auf der Pressekonferenz einen Dämpfer bekommen. Kleinere Änderungen, wie eine nochmalige Ausweitung des Katalogs ankaufbarer Anleihen oder auch eine erneute, leichte Senkung der Zinsen, sind weiterhin nicht ausgeschlossen. Aber sie dürften weder entscheidend dazu beitragen, das Inflationsziel der EZB zu erreichen, noch sind sie geeignet, den Kapitalmärkten entscheidende Impulse zu verleihen. Die Kapitalmärkte müssen sich langsam von dem Gedanken verabschieden, dass die Stimulierung durch die EZB immer weiter geht. Viel hilft eben nicht immer viel – in Zukunft noch nicht einmal an den Kapitalmärkten. Die EZB wird in den kommenden Wochen dennoch versuchen, die Fantasie auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik aufrecht zu erhalten oder neu zu beleben. Ob das die Kapitalmärkte nachhaltig beeindrucken wird, muss allerdings bezweifelt werden. Welche Auswirkungen das Ankaufprogramm für Unternehmensanleihen, das im Juni starten soll, haben wird, muss abgewartet werden. Es ist zu befürchten, dass die EZB auch in diesem Segment private Investoren verdrängt, genau, wie wir es beim Ankaufprogramm für Covered Bonds gesehen haben. Dr. Jan Holthusen, Leiter Zins- und Anleihenresearch, DZ BANK AG