Häufige Fehler der Anleger an der Börse

Stephan Witt, Kapitalmarktstratege der FiNUM.Private Finance AG

An der Börse werden täglich Geschäfte in gigantischer Höhe gehandelt, alleine beim DAX sind es jeden Tag etwa 3 Mrd. Euro. Schon anhand dieser Summe lässt sich ableiten, wie viele verschiedene Käufer und Verkäufer täglich daran beteiligt sein müssen.

Neben Finanzdienstleistern wie Banken, Fondsgesellschaften oder Versicherungen, sind auch viele private Anleger an der Börse aktiv. Doch welche Fehler sollten vor allem Anfänger, aber auch Fortgeschrittene am besten vermeiden? Der wohl größte Fehler ist, dass sich private Anleger zu schnell verunsichern und dadurch von ihrer eigentlichen Anlagestrategie abbringen lassen. Getreu dem alten Motto: „hin und her macht Taschen leer“, verkaufen viele zu früh und investieren dann oftmals zu hastig und unüberlegt. Nach wie vor ist es am wichtigsten, sich vor der Geldanlage über die eigenen Kenntnisse/Fähigkeiten und Ziele klar zu werden und dann darauf aufbauend eine klare Strategie zu erstellen, der man dann folgt. Doch oftmals ist es nahezu unmöglich, die perfekte Strategie und somit den optimalen Einstiegszeitpunkt zu finden. So kaufen viele erst dann, wenn die Kurse bereits zu hoch sind. Einzig und allein aufgrund der Tatsache zu kaufen, dass es gerade viele andere tun, kann oftmals sehr gefährlich enden, da damit unüberlegte Handlungen einhergehen, die fern der eigenen Vorstellungen liegen. Bei steigenden Kursen einzusteigen, ist zwar pauschal kein Fehler, aber Anleger sollten dann auch darauf achten, rechtzeitig wieder auszusteigen. Viel wichtiger ist es zu hinterfragen, warum die Kurse eines Wertes auf einmal so nach oben gehen und nicht zu gierig nach höheren Kursen zu werden. Angefeuert von den kurzfristigen Erfolgen, wollen viele Anleger dann noch mehr erreichen und verpassen dadurch den optimalen Zeitpunkt zum Ausstieg. Oftmals ignoriert man dann die negativen Resultate und fokussiert sich fast nur auf die positiven. Auch ist es für den einen oder anderen Anleger manchmal schwer, sich seinen eigenen Fehler einzugestehen. Wer an der Börse auf lange Sicht Erfolg haben möchte, kommt also ohne eine gute Portion Disziplin kaum aus. Ebenso gefährlich kann es sein, in Unternehmen zu investieren, zu denen man eine persönliche Bindung hat, beispielsweise weil man selbst einen Mercedes fährt. Wichtig ist es aber auch hierbei, rational zu bleiben und evtl. nicht zu lange auf das falsche Pferd zu setzen. In letzter Zeit locken vor allem viele Start-ups mit astronomischen Renditen. Natürlich bieten kleinere Unternehmen oder Start-ups bessere Wachstumschancen, als das bei größeren Unternehmen der Fall ist. Diese können viel schneller expandieren und durch das Wissen der anderen Unternehmen sehr schnell aufholen. Doch Sparer sollten nie vergessen, dass erhöhte Renditechancen auch immer mit höherem Risiko verbunden sind. Aber als Diversifizierung für das Portfolio können sich Start-up Anteile durchaus anbieten.

von: Stephan Witt, FiNUM.Private Finance AG