EZB muss liefern

Der Nikolaustag steht vor der Tür – traditioneller Anlass, um Kindern eine Kleinigkeit als Geschenk in die vorbereiteten Schuhe zu stecken. Für Aktieninvestoren wurde dieses Geschenk schon ein wenig früher übergeben, nämlich mittels der vorgezogenen Jahresendrally aufgrund vieler, immer wieder nach oben angepasster Versprechungen bzw. Ankündigungen seitens der Vertreter der Europäischen Zentralbank EZB.

Nun findet morgen die lang ersehnte Zentralbankratssitzung statt. Und die EZB muss nun liefern. Eine Verlängerung des Anleihenkaufprogramms gekoppelt mit einer gleichzeitigen Ausweitung der monatlichen Kaufsumme an Wertpapieren ist das Mindeste, was die EZB verkünden sollte, um größere Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten zu verhindern. Eigentlich erwarten viele Marktteilnehmer sogar noch darüber hinausgehende Ankündigungen, um den Geldstrom in die Märkte noch ein wenig weiter zu verstärken.

Da stellt sich die Frage, welche Begründung die EZB für eine solche Vorgehensweise ins Feld führen wird. Weder Inflation noch Deflation sind derzeit ein Thema in Europa und die jüngsten wirtschaftlichen Indikatoren verweisen auf ein zumindest als ordentlich zu bezeichnendes Wirtschaftsumfeld. Die US-amerikanische Notenbank Fed kann am Donnerstagabend innerhalb einer Rede der Fed-Präsidentin Yellen unmittelbar auf die EZB-Entscheidung reagieren. Alles andere als die Ankündigung, endlich die seit über zwei Jahren angekündigte Leitzinserhöhung durchzuführen, wäre eine Überraschung. Dies gekoppelt mit der Ankündigung einer vorsichtigen Vorgehensweise in 2016 wäre das Fundament, um die vorweggenommene Jahresendrally bis zum Jahresende Bestand haben zu lassen.

Autor: Michael Beck, Leiter Asset Management Bankhaus ELLWANGER & GEIGER KG