Dividendenrendite – das ideale Selektionskriterium?

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © wikifolio

Über kaum ein Börsen-Thema wird in diesen Wochen so häufig gesprochen wie über die gerade angelaufene Dividendensaison. Gerade in einem Umfeld anhaltend niedriger Zinsen rücken die Ausschüttungen der Unternehmen stärker in den Fokus der Investoren. Vermutlich auch, weil sich die Dividendenzahlungen deutscher Firmen in diesem Jahr deutlich erhöht haben.

Fast 80 Prozent der DAX-Konzerne haben ihre Gewinnbeteiligung für das abgelaufene Geschäftsjahr angehoben. Insgesamt planen die 30 Unternehmen 31,7 Mrd. Euro auszuschütten, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Anleger achten bei der Suche nach aussichtsreichen Aktien vor allem auf die Dividendenrendite. Für Börsenprofis ist die Höhe der Ausschüttung im Vergleich zum aktuellen Aktienkurs längst nicht das alleinige Kriterium bei der Titelauswahl.

Knapp Voith Vermögensverwaltung: Nachhaltigkeit muss gewährleistet sein
Christian Gritzka von der Knapp Voith Vermögensverwaltungs AG bezeichnet die Dividende zwar grundsätzlich als „zentralen Punkt bei der Auswahl von Aktien“. Ausschlaggebend sei bei den Portfoliomanagern aber nicht die absolute Höhe der Ausschüttung. Vielmehr spiele die nachhaltige Dividendenfähigkeit eine Rolle, d.h. die Frage, ob das Unternehmen in der Lage ist, die Dividende auch in schlechten Jahren zu zahlen.

Weitere Punkte, die die Knapp Voith Vermögensverwaltung in diesem Zusammenhang prüft, sind: „Reicht der Cashflow aus, um nicht nur die Dividende, sondern auch Investitionen finanzieren zu können? Und wird die Dividende im besten Fall sogar regelmäßig und stetig erhöht?“

Die Vermögensverwalter gehen dabei in der Historie ganz bewusst relativ weit zurück: „Wir schauen uns die Dividenden der letzten 15 Jahre an, zusammen mit der Entwicklung des Cashflows in dieser Zeit. Sehen wir bei diesen Punkten keine positiven Entwicklungen oder stellen fest, dass das Unternehmen die Ausschüttungen an die Aktionäre aus der Substanz bezahlt, müssen schon außerordentlich überzeugende andere Punkte für ein Investment in die Aktie sprechen“.

MS Finance Support: Dividendenjäger sind relativ risikoscheu
Manfred Stiegel, Geschäftsführer bei der MS Finance Support GmbH, verfolgt bei einem kleinen Anteil seiner Kunden ebenfalls eine gezielte Dividendenstrategie. Die grundsätzliche Idee lässt sich durch das wikifolio „Stockpicker Dividenden und Cash“ nachvollziehen. Stiegel bevorzugt Werte, die eine regelmäßige Dividende zahlen. Andere wichtige Aspekte wie das Umsatz- und Gewinnwachstum sowie die weiteren Aussichten des Unternehmens müssen seiner Meinung nach auch analysiert und in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.

Zudem weist der Anlageprofi darauf hin, dass die auf hohe Ausschüttungen fixierten Kunden in der Regel risikoscheuer sind als „normale“ Aktienkunden. Dies sollte bei der Anlagestrategie generell berücksichtigt werden: „Deshalb ist auch hier die Risikomatrix für die Höhe der Aktieninvestition entscheidend. Zeigt mir die Risikomatrix Gefahren an, dann kann die Cashquote bei dieser Strategie bis zu 100 Prozent betragen. So wollen wir große Kursverluste vermeiden.“

Das Beispiel Deutsche Telekom Aktie
Wie sinnvoll eine genaue Analyse von Unternehmen und Marktumfeld ist, hat sich jahrelang bei der Aktie der Deutschen Telekom gezeigt. Diese hat trotz vermeintlich attraktiver Dividendenrendite immer weiter an Wert verloren. Dividendenjäger sollten daher immer bedenken, dass die Rendite eines Aktieninvestments nicht nur von der jährlichen Ausschüttung, sondern vor allem auch dem weiteren Kursverlauf der Aktie abhängt.

Seit Herbst 2013 stellen institutionelle Finanzmarktexperten ihre Handelsstrategien auf wikifolio.com einem breiten Anlegerpublikum zur Verfügung. Bereits knapp zehn Prozent der deutschen Vermögensverwalter nutzen die Transparenz der Plattform, um neue Kundengruppen zu erreichen. Sie haben bislang 116 wikifolios veröffentlicht.

Kolumne von Andreas Kern
Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG