An US Technologieaktien führt (fast) kein Weg vorbei

Cédric Spahr, Aktienmarktstratege, Bank J. Safra Sarasin AG / Foto: © J. Safra Sarasin AG

Technologieschwergewichte sind reif für eine Sommerpause, dürften aber langfristig weiterhin gut abschneiden

US Technologieschwergewichte wie Alphabet, Facebook und Amazon waren 2017 Marktführer an der US Börse. Die nun einsetzende Sektor Rotation dürfte gewisse Übertreibungen korrigieren. Die Bewertung gewisser Titel ist etwas hoch, wird jedoch durch ein überdurchschnittlich hohes Wachstumspotenzial weitgehend gerechtfertigt. Marktführer, die digitale Geschäftsmodelle anwenden, dürften langfristig als Börsenanlage attraktive Renditen abwerfen.

US Technologieschwergewichte, wie Alphabet, Facebook, Amazon, Apple und Microsoft, versprechen strukturelles Wachstum in einem Konjunkturumfeld, das unverändert von niedriger Inflation gekennzeichnet wird. Solche Unternehmen treiben die Digitalisierung des Dienstleistungssektors energisch voran und tragen bis zum einem gewissen Grad selber zu tiefer Inflation und tiefen Zinsen bei. Die fünf größten US Technologieunternehmen trugen von Januar bis Mai 2017 38% des gesamten Wertzuwachses im Leitindex S&P 500 bei. Die kombinierten Informationstechnologie- und Gesundheitssektoren waren für 75% des Zuwachses an Marktwert im S&P 500 verantwortlich.

Manche Anleger wundern sich nun, ob die deutliche Outperformance des Nasdaq 100 (18%) gegenüber dem S&P 500 (8.6%) seit Jahresanfang nicht den Beginn einer überbordenden Euphoriewelle signalisiert, die früher oder später in Überbewertung und Kursverlusten enden wird. Sie verweisen auf starke Mittelzuflüsse in Technologie-ETFs und auf die Tatsache, dass viele große Hedge- und Anlagefonds die Marktführer unter den US Technologieunternehmen in deren Portfolios deutlich übergewichten.

Wir teilen die Einschätzung, dass ein konzentrierter Mittelzufluss in Schwergewichte wie Alphabet, Facebook, Amazon, Apple und Microsoft gewisse Übertreibungen bei Momentum- und Wachstumsstrategien mitverursacht hat und die Volatilität dieser Aktien künstlich tief gehalten hat. Diese großen Technologieaktien verzeichneten am Freitag einen unüblichen Anstieg der Börsenumsätze, der mit deutlichen Kursrückgängen einherging. Eine Rotation kurzfristiger Gelder scheint aus diesem Marksegment einzusetzen, was angesichts der traditionellen Börsenmuster während des dritten Quartals («Sommerflaute») nicht sonderlich überraschen würde.

Dies ändert aber nichts am langfristigen Erfolgspotenzial digitaler Geschäftsmodelle, die den Kern solcher Unternehmen ausmachen. Diese sehen wie folgt aus:

  • Eintrittsbarrieren: Es ist schwierig, Marktführer wie Amazon oder Facebook herauszufordern, sobald sie eine starke Marke besitzen, über ausreichend Wachstumskapital verfügen und von Netzwerkeffekten profitieren.
  • Ein weitgehend digitales Produktangebot vermindert marginale Produktionskosten; heißt konkret, dass sich schnelles Umsatzwachstum überproportional stark in Gewinn niederschlägt.
  • Schneeballeffekte: Kapitalstarke Technologieunternehmen verfügen über genug Fachwissen und Ressourcen, um in neue Produktideen zu expandieren, wie z.B. Alphabet in selbstfahrende Autos.

Die Bewertungen der Top 5 US Technologieaktien sind zurzeit etwas hoch, spiegeln jedoch gleichzeitig ein überdurchschnittlich hohes Wachstumspotenzial wieder. Eine wahrscheinliche Korrekturphase im Sommer würde dem Segment gut tun, aber schadet den langfristigen Opportunitäten solcher Aktien nicht.

Kolumne von: Cédric Spahr,
Aktienmarktstratege, Bank J. Safra Sarasin AG